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Westbengalen: Duell der Identitäten

Im indischen Bundesstaat Westbengalen zeichnet sich für die kommenden Wahlen ein direktes Machtduell zwischen der amtierenden Ministerpräsidentin Mamata Banerjee (Trinamool Congress, TMC) und dem BJP-Spitzenpolitiker Dilip Ghosh ab. Die politische Auseinandersetzung ist geprägt von tiefen ideologischen Differenzen, Korruptionsvorwürfen und einer zunehmend persönlichen Rhetorik. Während Banerjee auf regionalen Identitätsschutz setzt, verfolgt Ghosh eine konsequente Linie des Hindu-Nationalismus.

Illustration: Mamata Banerjee (Trinamool Congress) und Dilip Ghosh (Bharata Janata Party) im Wahlkampf um das indische Westbengalen, (c) theinder.net, KI-unterstützt
Die Akteure und ihre Profile

Mamata Banerjee, die von ihren Anhängern „Didi“ (dt. „Große Schwester“) genannt wird, regiert Westbengalen seit 2011. Ihre Machtbasis stützt sich auf ein umfangreiches Netz an Sozialprogrammen und die Betonung der bengalischen Kultur. Sie positioniert sich als Bollwerk gegen die Zentralregierung in Neu-Delhi und wirft der BJP vor, die föderale Struktur Indiens zu untergraben.

Dilip Ghosh, ehemaliger Landesvorsitzender der BJP und erfahrener RSS-Organisator, gilt als das radikale Gesicht der Opposition. Er hat die BJP in Bengalen durch eine aggressive Mobilisierung der hinduistischen Wählerschaft zur stärksten Herausforderin der TMC gemacht. Ghosh tritt bewusst als Kontrast zum liberal-intellektuellen Establishment in Kalkutta auf und bedient sich einer einfachen, oft provokanten Sprache.

Zentrale Konfliktpunkte

Die inhaltliche Trennung der beiden Lager verläuft entlang spezifischer Themenfelder:

Identitäts- und Religionspolitik: Banerjee setzt auf den „säkularen Bengalismus“ und genießt starke Unterstützung unter der muslimischen Minderheit. Ghosh hingegen wirft ihr eine einseitige Bevorzugung von Muslimen vor (Minority Appeasement) und fordert eine striktere Umsetzung des Staatsbürgerschaftsgesetzes (CAA), um illegale Einwanderer aus Bangladesch zu identifizieren (The Hindu, 2026).

Wirtschaft und Korruption: Die BJP unter Ghosh thematisiert systematisch Korruptionsskandale in der TMC-Verwaltung, insbesondere bei der Verteilung von Hilfsgütern und im Bildungswesen (India Today). Banerjee kontert mit dem Vorwurf, das Zentrum halte Bengalen zustehende Gelder für Infrastrukturprojekte aus politischen Gründen zurück.

Sicherheit und Gewalt: Westbengalen ist bekannt für politische Gewalt zwischen Parteikadern. Laut Berichten des Indian Express machen sich beide Seiten gegenseitig für die Eskalation an der Basis verantwortlich.

Die Rhetorik der Konfrontation

Das Verhältnis zwischen Banerjee und Ghosh ist durch eine außergewöhnliche Schärfe gekennzeichnet. Ghosh greift die Ministerpräsidentin häufig auf persönlicher Ebene an. In der Vergangenheit sorgten seine Äußerungen über Banerjes familiären Hintergrund oder ihre Kleidung für landesweite Kritik. Er bezeichnet ihre Regierung als „Diktatur“, die mit polizeilicher Gewalt aufrechterhalten werde.

Banerjee wiederum begegnet Ghosh mit gezielter Ausgrenzung. Sie stellt ihn und seine Partei als „Außenseiter“ (beng. „Bohiragoto“) dar, die die kulturelle DNA Bengalens nicht verstünden. In ihren Reden warnt sie davor, dass ein Sieg von Ghosh und der BJP den sozialen Frieden und die religiöse Harmonie im Bundesstaat zerstören würde.

Strategische Ausrichtung für 2026

Für die anstehenden Wahlen hat Banerjee angekündigt, die Eigenständigkeit der TMC zu betonen und keine Koalitionen mit nationalen Blöcken einzugehen, um die lokale Kontrolle zu behalten. Die BJP setzt darauf, mit Ghosh die ländlichen Regionen zu durchdringen, in denen die Unzufriedenheit über lokale TMC-Funktionäre wächst.

Der Wahlausgang wird maßgeblich davon abhängen, ob es Ghosh gelingt, die hinduistischen Stimmen über Kastengrenzen hinweg zu konsolidieren, oder ob Banerjes Modell der sozialen Absicherung und des regionalen Stolzes weiterhin die Mehrheit der Wähler bindet.

Quellen:

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