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Merck Tagore-Preis an Lars-Christian Koch für die Erschließung des Tagore-Kosmos

Der Ethnomusikologe Prof. Dr. Lars-Christian Koch wurde in Bombay mit dem Merck-Tagore-Preis 2025 ausgezeichnet. Laudator Dr. Martin Kämpchen würdigte seine wissenschaftliche Pionierarbeit, mit der er die tiefen emotionalen Schichten von Tagores Kompositionen für die westliche Forschung erschlossen hat.

Foto: (c) Merck India – Professor Dr. Lars-Christian Koch at the Merck Tagore Award ceremony held in collaboration with Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan India, recognising his outstanding contribution to intercultural exchange between India and Germany

Am 6. Februar 2026 versammelten sich in Mumbai Vertreter aus Kultur und Wirtschaft, um eine Auszeichnung zu verleihen, die in der deutsch-indischen Beziehungsgeschichte eine Sonderstellung einnimmt. Der Merck-Tagore-Preis, gestiftet im Jahr 2012 zum 150. Geburtsjahr des indischen Nationaldichters, ehrt Persönlichkeiten, deren Wirken die intellektuellen Räume beider Nationen miteinander verwebt. In diesem Jahr fiel die Wahl auf den Ethnomusikologen Prof. Dr. Lars-Christian Koch, einen Gelehrten, der sich der systematischen Aufarbeitung des musikalischen Erbes von Rabindranath Tagore verschrieben hat. Die Laudatio hielt der renommierte Schriftsteller Martin Kämpchen, der als erster Preisträger dieser Auszeichnung im Jahr 2012 eine persönliche und fachliche Perspektive auf den Geehrten eröffnete.

Kämpchen wählte für seine Würdigung einen humoristischen Einstieg und reflektierte über die Schwierigkeit, ein angemessenes Lob auszusprechen, ohne in Oberflächlichkeit zu verfallen. Er erinnerte an die gemeinsamen Jahre in Bonn und später in Santiniketan, wo Koch als Schüler der Musikologin Dr. Trina Purohit Roy die bengalische Sprache und die Kunst des „Rabindra Sangeet“ studierte. Während Tagore im Westen zumeist als Literat und Philosoph wahrgenommen wird, bleibt seine Bedeutung als Komponist oft im Schatten. Koch hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren. In seinem 2012 erschienenen Standardwerk über die Lieder Tagores überführte er die emotionale Dichte der bengalischen Musik in die präzise Sprache der westlichen Wissenschaft.

Der Werdegang des Preisträgers zeichnet sich durch eine bemerkenswerte fachliche Breite aus. Seine Forschungen zur klassischen nordindischen Musik, zur Instrumentenkunde und zur Musikarchäologie führten ihn an Universitäten in Köln und Berlin. Bis zum vergangenen Jahr leitete Koch als Direktor das Ethnologische Museum sowie das Museum für Asiatische Kunst in Berlin. Seit Beginn dieses Jahres wirkt er in Leipzig, wo er eine ethnographische Sammlung betreut, die künftig auch indische Objekte umfassen soll. Damit steht Koch im Zentrum einer der aktuell schwierigsten kulturpolitischen Debatten: der Restitution von Kulturgütern aus kolonialen Kontexten.

In seiner Rede hob Kämpchen hervor, dass die sächsische Kulturministerin Koch gerade wegen seiner Expertise im Dialog zwischen den Kulturen und seiner Sensibilität für Rückgabeverfahren gewürdigt habe. Trotz seiner vielfältigen globalen Verpflichtungen, die ihn auch mit afrikanischer und südkoreanischer Kunst in Berührung bringen, bleibt die Verbindung zu Tagore das Fundament seines Wirkens. In einem Brief an den Laudator betonte Koch jüngst, dass die Auseinandersetzung mit dem indischen Dichter ihn entscheidend auf die komplexen Anforderungen der heutigen Museumsarbeit vorbereitet habe. Die Verleihung des Preises in Bombay unterstreicht somit, dass wissenschaftliche Akribie und kulturelle Empathie keine Gegensätze sein müssen, sondern sich in Kochs Arbeit gegenseitig bedingen.

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