In den vergangenen Jahren dominierten Schlagzeilen über Indiens rasanten Aufstieg zur künftigen drittgrößten Volkswirtschaft der Welt. Doch ein aktueller Bericht des Handelsblatts wirft nun einen differenzierteren Blick auf die wirtschaftliche Dynamik des Subkontinents. Unter dem Titel „Warum Indien doch nicht an Deutschland vorbeizieht“ analysiert Korrespondent Mathias Peer die neuesten Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) – mit überraschendem Ergebnis.
Hintergrund: Rückfall auf Rang sechs
Entgegen der optimistischen Prognosen der indischen Regierung, die Indien bereits 2025 auf Rang vier der globalen Rangliste sah, zeigen die IWF-Daten ein anderes Bild:
- Wieder hinter Großbritannien: Mit einer Wirtschaftsleistung von rund 3,9 Billionen Dollar liegt Indien aktuell knapp hinter dem Vereinigten Königreich (4,0 Billionen Dollar) und ist damit auf den sechsten Platz zurückgefallen.
- Der „Dollar-Faktor“: Ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung ist der Wechselkurs. Da das globale Ranking auf US-Dollar-Basis berechnet wird, schmälert die Schwäche der Rupie das nominelle Ergebnis, selbst wenn die indische Wirtschaft real weiter wächst.
- Wachstumshürden: Der Bericht thematisiert zudem interne Herausforderungen. So bleibe der erhoffte massive Boom im verarbeitenden Gewerbe („Make in India“) hinter den Erwartungen zurück, während die Binnennachfrage durch die Inflation gedämpft werde.
Blick auf Deutschland
Für die deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen ist die Analyse besonders relevant, da Indien das Ziel verfolgt hatte, Deutschland noch in diesem Jahrzehnt als drittgrößte Volkswirtschaft abzulösen. Dieser Sprung nach vorne scheint sich laut den aktuellen IWF-Prognosen nun zeitlich deutlich nach hinten zu verschieben.
Der Artikel bietet eine tiefgreifende Analyse der strukturellen Gründe, warum der „indische Sprint“ derzeit eher einem Marathon gleicht.
