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Mi, 29. Mai, 2024
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Tempelfest in Hamm, 2001: Göttin mit Augen der Liebe im Industriegebiet

(von Sebastian Arackal) Hamm. Dunkelhäutige Frauen in farbenfrohen Saris, Männer nur mit spärlichen Lendenschurzen bekleidet, ein paar Gläubige gehen barfuss auf dem feinen Sand der Tempelanlage. Es herrscht dichtes Gedränge, ein Tisch mit Kokosnüssen und Bananen wackelt im Wind.
Eine Szene, die wie ein alltäglicher Ausschnitt aus dem Leben in Südasien wirkt. Doch sie findet zehntausende Kilometer entfernt in einem Industriegebiet im westfälischen Hamm statt. Jedes Jahr treffen hier Hindus aus dem Deutschland und den Nachbarländern zusammen, um mit einem mehrtägigen Tempelfest ihre Götter zu verehren.
Zentraler Ort ist für die Gläubigen der Sri Kamadchi Ampal Tempel. Ein Bauwerk, dass sich bisher noch in der Bauphase befindet. Schon jetzt gilt das Gotteshaus als einer der größten und bekanntesten hindu-tamilischen Tempel in Europa. Streng nach rituellen Vorgaben entworfen ragt ein etwa 17 Meter hoher Gopuram (Tempelportal) in den Himmel. Das Innere des Tempels hat bisher noch den rauhen Charme einer Baustelle. Doch ist jetzt schon zu erahnen, welche Schönheit der Bau bei der Fertigstellung im kommenden Jahr entfalten wird. Auf der Fläche von 27 x 27 Metern finden sich mit Ornamenten und mythologischen Symbolen reich verzierte Schreine für die einzelnen Götterstatuen.
Die Verehrung von Skri Kamadchi Ampal, die auch als Göttin mit den „Augen der Liebe“ bezeichnet wird, nimmt einen besonderen Stellenwert ein. Viele Hindus erbitten von ihr Hilfe und Unterstützung und lassen von brahmanischen Priestern lebensbegleitende Rituale durchführen.
Höhepunkt des Jahres ist der jährliche Tempelfest, dass sich über mehrere Tage erstreckt. Neben intensiven religiösen Andachten wird bei einer öffentlichen Prozession die Göttin auf einem reich geschmückten Wagen um den Tempel gefahren. So wird der hinduistisch Glaube öffentlich präsentiert und gleichzeitig segnet Skri Kamadchi Ampal nach Überzeugung der Gläubigen die Stadt und ihre Einwohner. Der Umzug ist in farbenfrohes und exotisches Ereignis. Blickfang sind sicher die Teilnehmer, die besondere Leiden auf sich nehmen, um so die Gunst der Göttin zu erlangen. So rollen sich ein große Anzahl von Männern während des kilometerlangen Prozessionsweges über die kalte Erde oder lassen sich an Rücken oder im Gesicht in einer Art religiösen Trance-Zustandes piercen.
Auf dem Tempelfest herrschte eine freundliche und offene Atmosphäre. Das Gotteshaus ist zu einem attraktiven Anziehungspunkt der hinduistischen Gemeinde geworden. Schätzungsweise 10.000 Gläubige aus ganz Europa pilgerten an diesem verregneten Pfingstwochenende ins westfälische Hamm. Ab und zu taucht sogar ein weißes Gesicht in der Menge auf… .
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