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(bc) „Diwali“ gehört ohne Zweifel zu den buntesten religiösen Festen Indiens. Man feiert es im Spätherbst, wobei jeweils an den Abenden die Fenster der Häuser mit Lichtern und Kerzen beleuchtet bzw. dekoriert werden. Besonders aus der Ferne und in der Dunkelheit spiegelt sich das wundervolle Antlitz von Hunderten dieser Lichter wieder. Das Wort „Diwali“ ist eine verkürzte Form von „Deepawali“ und bedeutet soviel wie „Lichterschwarm“. Das Lichterfest ist ein Ereignis, das von allen Hindus weltweit gefeiert wird.
In Indien betrachtet man Diwali als Erneuerung des Lebens. An diesem Tag werden alte Lampen weggeworfen und neue gekauft. Der Überlieferung nach sollen neue Lampen den Seelen der Toten helfen, ihren Weg zum Himmel zu finden.
Traditionsgemäß gedenkt das Fest auch der Krönung des Prinzen Rama. Es heisst, dass die Hindus Ramas Rückkehr aus seiner 14-jährigen Zeit der Verbannung und Sieg über den Dämonen Ravana („Rabon“) zelebrierten. Dabei wurde das Böse vom Guten besiegt. Um ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, zündeten die Menschen Lichter an, um Rama zu preisen.
Die Hindus glauben, dass am Tag des Neumonds des Diwali die Seelen ihrer Vorfahren ihr Haus besuchen. Lichter werden angezündet, um den Verstorbenen den Weg zu weisen.
Es ist interessant, dass Diwali fast zur selben Zeit stattfindet wie Halloween, das am 31. Oktober zelebriert wird und in Europa traditionsgemäß ebenso mit Seelen und Toten verbunden wird. Diwali wird ausserdem mit der Göttin des Wohlstandes – Lakshmi – in Verbindung gebracht. Es sei der Tag, an dem Lakshmi aus dem milchigen Ozean emporgekommen sein soll, um der Welt Prosperität zu schenken.
Es ist üblich, dass die Geschäfte in Indien an Diwali geschlossen sind. Dabei wird das Kontobuch vor einem Bild der Göttin Lakshmi gelegt und für bessere Einnahmen im nächsten Jahr gebetet. Man glaubt, dass Lakshmi diejenigen Häuser besucht, die gut beleuchtet sind. Kein Wunder, dass viele Familien sich bemühen, ihre Häuser mit vielen Kerzen, Blumen und Papierketten zu verzieren. Sogar die Strassen werden mit Blumengirlanden und Lichtern versehen. Die Menschen ziehen überdies ihre besten Kleider an oder kaufen gar neue. Kinder bekommen Geschenke und Neujahreswünsche werden durch Besuche oder Diwali-Karten ausgetauscht.
Reinheit in jederlei Hinsicht ist oberstes Gebot, denn die Hindus glauben an Reinheit des Körpers, der Seele und des eigenen Hauses. Die Stufen des letzteren werden mit einem speziellen „Rangoli“-Motiv versehen, um die Hausbesucher willkommen zu heissen. Rangoli bedeutet soviel wie ein ‚farbenfrohes Muster‘. Traditionell wird Reismehl den Insekten, Vögeln und kleinen Kreaturen angeboten. Heute verwendet man Farbpuder, Kreide, Sand, Getreide, Samen oder Blumen, um besagtes Rangoli-Motiv zu kreieren. Leckeres Essen und Süssigkeiten dürfen bei diesen ganzen Festivitäten nicht fehlen.
Häufig wird vor dem gemeinsamen Essen mit den Verwandten einen Tempel besucht. Manchmal trifft man seine Freunde auch im Tempel, in dem Musik, Gesang und Tanz stattfinden.
Auch in zahlreichen Städten und Gemeinden Deutschlands wird Diwali in Form von Kulturprogrammen inklusive Verköstigung gefeiert.