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Mi, 21. Oktober, 2020
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Indien will führende Stellung in der Genomforschung einnehmen

(von Sherry Kizhukandayil) Die Verkündung der erfolgreichen kompletten Sequenzierung des menschlichen Genoms (Genkartierung) war ein erster Schritt zur Kontrolle des Schicksals zukünftiger Generationen. Die Verfügbarkeit von Daten über das weltweite Genomprojekt (HGP) wird in einer Initiative, die 1990 mit öffentlichen Geldern in die Wege geleitet wurde, auch in Indien sämtlichen Aspekten der Genomforschung grossen Aufschwung verleihen.
In der Tat haben die bemerkenswerten Fortschritte, die man bei der Isolierung, Untersuchung und Manipulierung von DNA machte, der genetischen Blaupause und des Meistermoleküls sämtlichen Lebens, zur Entstehung der bahnbrechenden Genom-Wissenschaft geführt, die sich mit der Untersuchung eines einzelnen Genoms zu einem bestimmten Zeitpunkt beschäftigt. Das weltweite Genomprojekt HGP hat vor, bis zum Jahr 2005 die Sequenz sämtlicher Genome zu veröffentlichen. Dazu gehört das Lesen und Zusammenfügen von mehr als drei Billionen chemischen Buchstaben, aus denen sich die 800.000 menschlichen Gene zusammensetzen.
Anuranjan Anand, Vorsitzender der Abteilung der für Humangentik am Jawaharlal-Nehru-Zentrum für fortgeschrittene wissenschaftliche Forschung in Bangalore sagt, dass “die Menschen vom weltweiten HGP grossen Nutzen ziehen wird, da dadurch Gene entschlüsselt werden können, die für Krankheiten wie die Epilepsie und Schizophrenie verantwortlich sind – zwei der am weitesten verbreiteten Geisteskrankenheiten. Jetzt brauche ich nach einem bestimmten Genom nicht mehr ein ganzes DNA- Segment abzusuchen und kann mich auf ein kurzes Stück konzentrieren, womit ich viel Zeit sparen würde”.
Anand bezeichnet das HGP als wertvolles Geschenk für die Menschheit. In Indien gibt es ausgezeichnete infastrukturelle Einrichtungen und Fachkräfte, die für diese Aufgabe von grossem Nutzen sein werden. Ziel sei es, die HGP-Daten für einen breiten Forschungsbereich zu nutzen: von einem grundlegenden Verständnis von Krebs bis zur Behandlung von genetisch bedingten Störungen mit Hilfe der Gentherapie. Indien hat es geschafft, im Rahmen der indischen Genom-Initiative bei Untersuchung einer Vielzahl genetischer Erkrankungen eine führende Rolle Stellung einzunehmen.
Indischen Forschungseinrichtungen und Labors ist es unter Nutzung genetischer Informationen gelungen, Kits für AIDS-Untersuchungen zu entwickeln und für Lebendimpfstoffe gegen Malaria und Tollwut zu entwickeln. Insbesondere das Zentrum für DNA-Fingerprinting und das National Brain Research Centre werden enorm von den Ergebnissen des globalen Projekts profitieren.
Dazu meint auch Dr. Laljit Singh, Direktor des Zentrums für Zellular und Molekularbiologie (CCMB) in Hyderabad, dass Indien mit seinem grossen Potential an erfahrenen Fachleuten und Computeringenieuren einen bedeutenden Beitrag leisten könne und eine Führungsposition in der DNA-Präventivmedizin übernehmen könne. Die Wissenschaft der Bioinformatik, die eine Kombination aus Informationstechnologie (IT) sowie genetischer und verwandter biologischer Forschung darstellt, kann von Indien genutzt werden, um diese Position zu erreichen. Das CCMB hat bereits mit mehreren indischen Computerunternehmen zwecks Nutzung der IT-Branche für die Forschung Kontakt aufgenommen. Im konkreten Fall kann laut Singh die IT-Branche sehr effektiv zur Kartierung und Entschlüsselung der Geheimnisse der sogenannten “Junk-DNA” (Intron), das vom HGP nicht erfasst werden kann, eingesetzt werden. “Wenn wir die Forschungsarbeit im Bereich der Biotechnologie und der Bioinformatik nutzen und beide kombinieren, könnten wir der Welt etwas ganz Neues schenken”, so Singh.
Im Westen sind die Kosten für die Entwicklung von Software und zum Verwalten von Datenbanken zwecks Genkartierung und DNA-Entschlüsselung enorm hoch. Für Indien mit seinen weltweit geschätzten Computerkenntnissen und grossen Bestand an erfahrenen Wissenschaftlern sowie hervorragenden Forschungseinrichtungen würde es sehr profitabel sein, in den Weltmarkt für Software-Lösungen für die Genomforschung und ihre Anwendung einzusteigen.

Foto: (c) clipdealer.com (Media-ID: A:20501205)

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