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Do, 29. Oktober, 2020
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Kommentar: Von den Kindern der Inder lernen

Vor einiger Zeit erschien in der “taz” ein Beitrag, der den Leser Asok Punnamparambil (s.u.) zu einem Kommentar veranlasste.

Wer heute als Gastarbeiter nach Deutschland kommt, hat so etwas wie die Gnade der späten Geburt. Denn anders als früher ist Integration neuerdings ein Thema. Waren Politik und Wirtschaft einst froh, wenn “der Türke” arbeitete und schwieg, lässt man sich heute das Wohlbefinden der Greencardler durch Erhebungen und Pressekonferenzen bestätigen. So stellte gestern das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung eine Studie vor, die im Auftrag des Bildungsministeriums entstanden ist. Erfreuliches Ergebnis: Die IT-Spezialisten, meist aus Osteuropa, haben sich gut eingelebt.

So schön das ist: Es zeigt wieder, dass die Greencard-Besitzer einen Sonderstatus genießen – sie sind sozusagen “Einwanderer de Luxe”. Denn die Integration von Flüchtlingen und Türken stößt weiterhin auf kein sonderlich großes Interesse. Und wenn, dann nur als Vorwurf: Für viele Deutsche gilt als ausgemacht, dass “die Türken” selbst schuld sind, wenn sie keinen Zugang zur deutschen Gesellschaft finden. Was müssen sie auch in Ghettos leben. Kein Wunder, dass sie kein Deutsch können und schlechte Bildungs- und Arbeitsperspektiven haben.

Ob das auch so gekommen wäre, wenn “die Türken” ebenso umsorgt worden wären wie jetzt die IT-Spezialisten? Vielleicht hätte es gereicht, die damaligen Gastarbeiter nicht dort, wo sie gebraucht wurden, auch allesamt unterzubringen. So waren Ghettos unausweichlich. Vielleicht hätte es genügt, sich um das Deutsch der Frauen zu bemühen. Dann hätten sie es mit ihren Kindern auch gesprochen.

Dafür spricht jedenfalls eine “Vergleichsstudie”, die im Einwanderungslabor Deutschland ungewollt entstanden ist. Denn auch wenn von den Indern erst seit einem Jahr die Rede ist – einige von ihnen leben schon seit dreißig Jahren in Deutschland. Anders als bei den Türken waren es aber die Frauen, die kamen, um als Krankenschwestern einzuspringen. Zudem hatten sie das Glück, dass sie quer über alle Hospitäler verteilt und damit weit verstreut wurden. Ghettos konnten nicht entstehen. Konsequenz: Sie alle beherrschen Deutsch, sprechen es mit ihren Kindern, sind in den Alltag ihrer deutschen Kollegen integriert.

Auch wenn dieses Experiment nie geplant war – Deutschland sollte daraus lernen und Sprachunterricht für alle seine Einwanderer anbieten, nicht nur für die momentan so begehrten Experten.

Der Autor ist in Bonn geboren und lebt jetzt in Berlin.

Quelle: taz Nr. 6518 vom 9.8.2001, Seite 1, 85 Kommentar ASOK PUNNAMPARAMBIL, Leitartikel
Grafik: (c) clipdealer.com, ID 2192429

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