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Sa, 24. Oktober, 2020
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Zwischen zwei Nationen – Das Leben interkultureller Kinder oder: wie ich mein Indien fand

(von Nitasha Bharat) Durch die Globalisierung ist eine Migrationgesellschaft immer gewöhnlicher. Eine Utopie lässt sich immer öfter in einem anderen Land verwirklichen. Aber diese neugewonnene Freiheit bringt auch viele Konflikte mit sich.

Gerade bei den jungen Menschen aus der 2. Generation dieser Migrationsfamilien tut sich früher oder später eine Identitätsfrage auf.
Das Heikle an den interkulturellen Unterschieden ist, dass man das Verhalten aus dem fremden System automatisch auf das des eigenen Systems adaptiert. So kommt es dann zu Fehldeutungen und Stereotypisierungen. Es ist schwer das Gefühl für implizierte Fragen zu erhalten, tut man es nicht, ist die Gefahr groß für boniert gehalten zu werden. Besonders Direktheitsgrade von Äußerungen werfen Diskrepanzen auf.
Ich wuchs als ältestes Kind gut situierter Inder in einem kleinem Dorf in der Nähe von Stuttgart auf. Mein Vater hat eine leitende Stelle bei DaimlerChrysler, meine Mutter ist eine vielgefragte Dolmetscherin und Sprachentrainerin. Meine Kindheit verlief nicht anders als die der anderen deutschen Kindern aus der Nachbarschaft. Se sahen mich auch nie als “Ausländerin” im Gegensatz zu den türkischen Mädchen, die öfters mit uns spielten.
Bis heute ist es mir ein Rätsel warum. Vielleicht weil meine Eltern der deutschen Sprache akzentfrei mächtig waren, gut situiert waren, wir auch Weihnachten und Ostern feierten – ich denke, den Grund werde ich nie erfahren.
Indien war für mich nie ein Heimatland. Das hat sich bis zum heutigen Tag auch nicht verändert.
Jedoch bin ich mir in der Zwischenzeit meiner indischen Wurzeln bewusst und stehe dazu. Manchmal denke ich, dass dieses das Besondere ist, welches mich von den anderen Menschen in meiner Umgebung unterscheidet.
Um diese Erkenntnis zu erlangen musste ich erst 20 Jahre alt werden!
Je älter ich werde desto mehr scheinen mir die indischen Konventionen auch plausibel. Während ich sie als Teenager noch verachtet habe, sehe ich manchen jetzt als Twen toleranter entgegen.
Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mir etwas von beiden Kulturen mit auf den Weg gegeben haben und ich meine Richtung selber wählen durfte. So finde ich mich auch in der Welt der indischen Konventionen einigermaßen zurecht.
Ich hoffe, dass auch ich meinen Kindern ein Stück indische Kultur näher bringen kann, auch wenn sie dann wahrscheinlich nur von halb-indischer Abstammung sind.
Webseite der Autorin: www.nitasha.de

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