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Mi, 21. Oktober, 2020
Start 20 Jahre theinder.net sabuproductions: "Es war toll die Massen zu bewegen"

sabuproductions: “Es war toll die Massen zu bewegen”

Foto: (c) Sabu Mathew

DJ Sabu (sabuproductions) gehörte ab Mitte der Neunziger Jahre bis Anfang des neuen Jahrtausends nicht nur zu den ersten, sondern auch zu den angesagtesten indischen DJ’s in Deutschland. Als Resident heizte DJ Sabu alias Sabu Mathew mit seinen Remixes den Massen der “Indian Nights” in Frankfurt/Main an den Plattentellern ein. Eigentlich ist der Alt-Wiesbadener jedoch ein Hiphop-Veteran wie seine Bandprojekte PBC und Lyrical Bumrush zeigten. Wir wollten mehr über ihn erfahren.

Sabu, Du gehörst Du zu den Urgesteinen der Desi-Szene in Deutschland. Erzähle uns doch erst einmal etwas zu Deiner Vita, wie bist Du zur Musik gekommen?

Angefangen hat das alles durch den Einfluss meines Vaters, der als Buchhalter in den Raj Kapoor Studios in Mumbai Anfang der 70er Jahre arbeitete. Als Kind habe ich dank ihm immer Zugriff auf Audio-Kassetten (Musikkassetten) mit den neuesten und alten Bollywoodtracks der 60er, 70er und 80er Jahre gehabt. Wir haben alles rauf und runter gehört und hatten auch “old school” Singles, also 7″ Schallplatten mit den Originalsongs. Anfang der 80er Jahre kamen noch die VHS-Videos mit den zugehörigen Filmen dazu. 1982 hatte ich in der 4. Klasse eine Performance mit dem Breakdance-Song “Uprock”, ein Song der Rock Steady Crew! Ich denke, dass das mich am Ende richtig geflasht hat.

Bist Du nicht auch im Hiphop zuhause?

Ja natürlich, Blackmusic war immer präsent, bis ich letztendlich “Walk this way” von Run-D.M.C. feat. Aerosmith hörte und direkt als Video sehen konnte. Das war das Ding, welches mich letztendlich zum Rap und Hiphop gelenkt hat! Mein bester Freund Frank meinte in der 8. Klasse, dass wir zusammen Hip-hop machen sollten. Wir waren damals 14 Jahre alt. Somit waren die Weichen gestellt…

Die eigene Band…

Das hat sich so weit entwickelt, dass wir uns 1993 für die “HIP HOP JAM ’93” Sony Music Newcomer HIP HOP Awards in der Frankfurter Music Hall als Wiesbadener Band “PBC – PeanutButterCream” qualifiziert haben. Die besten zwölf Newcomer des Jahres wurden ausgewählt. Wir wurden aus 1.800 per Briefpost (!) eingesandten “Tapes” ausgewählt. In der Jury war unter anderem Frankfurts Legende Moses Pelham vom Rödelheim Hartreim Projekt.

Wie weit seid Ihr gekommen und wie ging es danach weiter?

Wir haben den 6. Platz belegt! Einen weiteren Erfolg hatten wir ab 1996 mit der Band “Lyrical Bumrush”. Dies war nun Hiphop mit Metal-Elementen, also Cross-Over. Wir haben eine EP und das Album “Unkind” 1998 released. Seit dem letzten Jahr sind wir in der Hall of Fame des Wiesbadener “Schlachthof” aufgeführt.

Beachtlich. Machst Du weiter Musik?

Ja, ich produziere weiterhin Musik, release aber nichts mehr. Dafür liebe ich es Beats zu bauen und höre diese am liebsten nachts beim Autofahren. Musikalisch bin ich zum Hiphop zurückgekehrt. Wir sind gerade wegen eines Revivals der Band im Gespräch!

Die Partyreihe “Indian Night” in Frankfurt waren die ersten indischen Parties in Deutschland, zuerst Community-Parties, heute würde man dazu wohl Bollywoodparty sagen. Wie fing das damals 1996 mit der ersten Indian Night an und welche Rolle hast Du dabei gespielt? Das ist ja jetzt fast 25 Jahre her.

Richtig, 1996 war der Start der “Indian Nights” in Frankfurt. Zum ersten Mal überhaupt eine indische Party in Deutschland, die von uns, “Sandhikta” organisiert wurde. Wir waren junge Leute der 2. Generation, die ihre Wurzeln in Indien und Pakistan haben.

Als DJ, der hauptsächlich Hiphop, Dance und House auflegte, war für mich die Nummer sehr aufregend, aber auch sehr herausfordernd…

… warum?

… ich durfte für 60 Minuten indische Musik im Partysaal der Uni Frankfurt auflegen und musste da alles geben (lacht). Zu der Zeit habe ich mich mehr an der Bollywoodremix-Schiene orientiert. Für die folgenden Jahre bis 2002 war ich Resident-DJ bei den Indian Nights in Frankfurt. Die “Rude Remix Ride Vol. 1-2” Alben und “Desi Millennium Ride” sind vielen heute noch bekannt.

Daran kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Bleiben wir doch genau bei diesem Punkt: Als DJ hast Du Deine eigenen Remixes kreiert und diese aufgelegt. Das sind im wesentlichen Songs, die westliche mit indischen Klängen miteinander verknüpfen. In den USA war das damals bereits bekannt, in Deutschland noch nicht. Bist Du ein Risiko eingegangen, dass es hier nicht gut ankommen könnte?

Nein, ganz im Gegenteil. Man kann es auf heute reflektieren. Vor 20 Jahren waren die Bollywood Songs nicht clubtauglich. Also habe ich als Remixer nachgeholfen. Der Wiedererkennungswert war enorm. Heute klingen die Bollywood (Original) Songs wie fette Tracks, die wir allgemein aus den Internationalen Charts hören und kennen.

Hast Du Vorbilder wie die Protagonisten Bally Sagoo, Jiten oder aus dem Asian Underground sowie UK Bhangra-Szene? Wer gab oder gibt da eigentlich den Ton an?

Bally Sagoo ist mein Vorbild. “Bollywood Flashback Vol. 1” (1994) hat mich und meine Mixes geprägt. Ja, später kam DJ Jiten aus Kanada hinzu, den ich auch sehr schätze. Heute höre ich eher den Desi Hiphop. Jetziger Vorreiter ist definitiv DIVINE und alles was danach folgte. Ich habe vorher auch Bohemia und viele Crews aus UK gesehen.

Du warst in der Hiphop Szene ja bereits bekannt, aber Du hast u.a. durch Deine “Rude Remixes”, Bookings und Deine eigene “Desi Jam” Parties auch in der deutsch-indischen Szene große Bekanntheit erlangt. Wie hast Du die Zeit damals erlebt und wann bzw. warum ist das irgendwann abgeflacht? Heute scheint es nur noch wenig sichtbar.

Die Zeit war eine große Bereicherung. Es war toll die Massen zu bewegen. Aber es konnte auf alles keine Steigerung mehr geben. Plötzlich gab es überall Desi- bzw. Indian Parties, der Markt war übersättigt! Ich habe zum Höhepunkt die Reißleine gezogen. Heute legt jeder Musik auf und schimpft sich DJ. Leider übernimmt die Software den Rest. Musikkenntnis steht nicht mehr im Vordergrund, sondern eher der Algorithmus von Amazon Music oder Spotify…

Ich erinnere mich an einen regelrechten Battle zwischen Dir und DJ U.P.-Wala aus Bonn, der durch Eure Fans auf den Diskussionsforen bei theinder.net ausgetragen wurde. Wie hast Du das empfunden, gab es einen echten Battle oder war er zu sehr konstruiert?

Einen solchen Battle gab es zwischen Arun und mir nicht, denn wir haben uns eigentlich gut verstanden. Wir waren außerdem auf verschiedenen Ebenen unterwegs. Er war sehr perfektioniert auf Bhangra und bei mir war es letztendlich Hiphop und Dance Remixes von Bollywood, Tamil und Malayalam Tracks.

Das wurde also vom Publikum konstruiert. Es gab ja auch nur das Forum auf theinder.net oder StudiVZ zu der Zeit und jeder hat da seine Meinung kundgetan. Welche Musikrichtung man favorisiert, ist eben doch ein sehr subjektives Empfinden.

Dann haben wir das doch mal geklärt. Doch bleiben wir bei theinder.net, wir feiern in diesem Jahr 20-jähriges Bestehen. Hast Du die Plattform damals viel genutzt, was spiegelte sie für dich wieder?

Ich habe die Artikel und Neuigkeiten damals gerne verfolgt – es war die einzige Webseite ihrer Art für unsere 2. Generation zu der Zeit.

Ist eine Community wie damals heute noch denkbar? Kann sich eine 3. Generation so wie wir damals entwickeln?

Die Community gibt es heute noch. Es gab zahlreiche Parties und Veranstaltungen vor Corona. Hier hat sich der Austausch seit einigen Jahren auf die neuen Social Media Kanäle verlagert.

Hier kannst Du gern noch ein paar Worte an Deine treuen Fans von damals und heute richten sowie generell an unsere Leser/innen. Danke für Deine Offenheit und Bereitschaft für dieses Gespräch.

Liebe Community, es war eine tolle Zeit. Bitte unterstützt theinder.net zum Neustart. Ich nehme hier den Anlass des 20-jährigen Bestehens, um nochmal “Danke” zu sagen und hoffe theinder.net kann sich wieder als Sprachrohr der Community etablieren.

Danke Dir für dieses Gespräch.

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Bijon Chatterji
Bijon Chatterji
Bijon Chatterji, Jg. 1978, ist Mitbegründer und Chefredakteur von theinder.net. Er studierte Biologie an der TU Braunschweig und promovierte am Fraunhofer-Institut in Hannover. Nach Lehr- und Forschungstätigkeiten an der Medizinischen Hochschule Hannover ist Bijon heute als Director of Business Development für ein österreichisches Biotechnologieunternehmen tätig. Bijon wohnt in Hamburg, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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