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Di., 20. Januar, 2026
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Indien ist führend im Bereich KI – und ein Partner, den Europa noch immer übersieht

Europa investiert Milliarden in KI-Souveränität und digitale Infrastruktur. Dennoch übersieht es eine Partnerschaft, die beides beschleunigen könnte: Indien. Der jüngste AI Vibrancy Index der Stanford University stuft Indien weltweit auf Platz drei im Bereich KI ein und übertrifft damit alle europäischen Nationen. Während globale Unternehmen sogenannte “AI Centers of Excellence” in ganz Indien aufbauen, bleibt die europäische Präsenz in der Breite überraschend zurückhaltend. Peter Paul Pratter berichtet in seiner neuen Kolumne India Rising – Der Wirtschaftsblick exklusiv für theinder.net.

Europas Wahrnehmung von Indiens Beitrag zu technologischen Entwicklungen ist veraltet

„Outsourcing? Call Center? Back-Office-Dienstleistungen?“. Immer wenn ich Gespräche über Indien und seine Rolle in der technologischen Entwicklung habe, werde ich regelmäßig mit solch veralteten Ansichten und Missverständnissen konfrontiert. Diese Zeiten sind lange vorbei und Service-Center wurden durch Technologie- und Innovationszentren ersetzt, die sich auf KI, maschinelles Lernen, Cybersicherheit oder Cloud-Entwicklung konzentrieren.

Die Synergien im Innovations- und Entwicklungsbereich sind immens und einer der Gründe für die technologische Führerschaft von US-Technologieunternehmen. Während US-Unternehmen die Indiens Technologie-Ökosysteme seit langem nutzen und interne Technologiezentren eröffnet haben, beginnt die Mehrheit der europäischen Unternehmen erst jetzt, dies zur Kenntnis zu nehmen. Sogenannte „Global Capability Centers (GCCs)“ – von Unternehmen intern betriebene Offshore-Einheiten – sind direkt in die globale Strategie eines Unternehmens eingebunden und erlauben Unternehmen, im Gegensatz zum traditionellen Outsourcing, die volle Kontrolle über ihre Innovationspipeline, während sie gleichzeitig auf das indische Ökosystem zugreifen können. Obwohl mittlerweile über 1.700 GCCs in Indien tätig sind, bleibt der europäische Anteil relativ gering. Deutsche Technologiefirmen oder französische Industrieunternehmen sind in einem Markt unterrepräsentiert, der ihre Engpässe bei KI- und Technologie-Talenten lösen und Zugang zu einem führenden Technologie-Ökosystem bieten könnte.

Indien übertrifft Europa und gehört zu den Top 3 im KI-Bereich

Indien belegt im Stanford AI Vibrancy Index den dritten Platz und übertrifft damit Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Noch aufschlussreicher: Indien ist genau in den Bereichen führend, in denen Europa schwächelt: Forschungs- und Entwicklungsleistung (F&E-Output) und Verfügbarkeit von Talenten.

Grafik: AI Index 2025, Stanford University – Global AI Vibrancy Tool (2025)

Die KI-Entwicklung beschleunigt sich weltweit und wird von einer Reihe an Faktoren beeinflusst. Das Global AI Vibrancy Tool der Stanford University kombiniert und bewertet 39 Datensätze wie Nutzerpräferenzen, politische Entscheidungen oder die Einrichtung von KI Centers of Excellence, um globale und nationale Trends zu identifizieren. Die oben in der Grafik dargestellten Gesamtzahlen basieren auf folgende Messgrößen: F&E, Verantwortungsbewusste KI (Responsible AI), Wirtschaft (Economy), Talente (Talent), Politik und Governance (Policy and Governance), Öffentliche Meinung (Public Opinion) und Infrastruktur (Infrastructure).

Insgesamt sind die USA laut dem Datensatz des Vibrancy Index dank ihrer starken Infrastrukturinvestitionen und F&E nach wie vor der klare Marktführer im KI-Bereich. Indien ist führend bei der Verfügbarkeit an Talenten und F&E, kämpft jedoch mit einer unterentwickelten Infrastruktur. Europa hingegen verfügt über eine gute Basis an Talenten, weist aber überraschende Schwächen in den Bereichen F&E, verantwortungsbewusste KI und KI-Wirtschaft auf.

Big Techs Investitionen in Indien sind die größten außerhalb der USA

US-Unternehmen, die heute führend in KI und Technologie sind, nutzen Indiens Talente und Technologie-Ökosysteme seit über drei Jahrzehnten. Jüngste Ankündigungen von Google, Microsoft und Amazon deuten darauf hin, dass diese Entwicklung nun in eine neue Phase eintritt: Infrastruktur. Alle drei Unternehmen kündigten Investitionen in Summe von 67,5 Milliarden USD an, um Indiens Fähigkeiten und Souveränität im Bereich KI zu unterstützen und sind deren größte Investitionen außerhalb der USA.

Der Marktzugang könnte jedoch der eigentliche Treiber sein: Microsoft erwartet, dass Indien bis 2030 zur weltweit größten Softwareentwicklungsschmiede wird. Darüber hinaus leben bereits 20 % aller Halbleiterdesigner/Ingenieure weltweit in Indien.

Europäische Unternehmen hingegen haben nur wenig vergleichbare Zusagen gemacht. Eine strategische Lücke, die immer schwerer zu rechtfertigen ist.

Indien und KI im Jahr 2026

Abgesehen von den Entwicklungen im privaten Sektor folgt Indiens öffentlicher Sektor eine Vision, die auf inklusiver KI basiert. Dies bedeutet die Entwicklung eines „AI Stacks“, der die inklusive und lokale Sprachmodelle anstrebt, die Indiens sprachliche Vielfalt repräsentieren sollen. Des Weiteren wird eine Open-Source-Ebene verfolgt, die es Unternehmen ermöglicht, auf kosteneffiziente Lösungen zuzugreifen und diese weiterzuentwickeln. Solche Lösungen helfen, die breitere Gesellschaft zu fördern, die Gesundheit zu verbessern und die Nachhaltigkeit für alle zu erhöhen.

Um diese globalen Herausforderungen anzugehen, wird Indien dieses Jahr den AI Impact Summit (19.-20. Februar 2026 in Neu-Delhi) veranstalten, der sich auf „Menschen, Planet und Fortschritt“ konzentriert, nachdem es letztes Jahr Co-Gastgeber des AI Impact Summit in Paris war. Mit der Teilnahme von führenden Führungskräften bis hin zu Regierungschefs, einschließlich des französischen Präsidenten Macron, unterstreicht der Gipfel sicherlich Indiens Rolle in der technologischen Innovation.

Ausblick

Beim jüngsten AI Pre-Summit in München waren Indiens Bestrebungen um einen inklusiven AI Stack, basierend auf einer Infrastruktur und einer Open-Source-Modellebene, auf die jeder zurückgreifen kann, beeindruckend. Dieser inklusive und souveräne Ansatz unterstreicht das Potenzial einer engeren Partnerschaft zwischen der EU und Indien.

Die Digitale Partnerschaft zwischen Indien und der EU bildet den Rahmen. Indiens bewährter Technologie-Stack (die Zahlungsplattform UPI verarbeitet täglich mehr Transaktionen als VISA, die biometrische Datenplattform Aadhaar ist das weltweit größte biometrische ID-System zur Erleichterung administrativer Prozesse) demonstriert, was möglich ist.

Für Europa stellt sich nicht mehr die Frage, ob Indien eine Technologieführerschaft innehat, sondern ob es sich leisten kann, diese weiterhin zu ignorieren, während es global skaliert. Es ist Zeit die Chancen wahrzunehmen.

Weitere Informationen: India Rising


Anm. d. Red.: Peter Paul Pratter ist Wirtschafts- und Immobilienstratege sowie Experte, Gründer der „India Rising“ Plattform und seit 2026 mit „Der Wirtschaftsblick“ als Kolumnist für theinder.net tätig (Pressemitteilung).

Alle Beiträge von Peter Paul Pratter finden Sie hier.

Peter Paul Pratter
Peter Paul Pratter
Peter Paul Pratter ist international tätiger Wirtschafts- und Immobilienstratege mit Schwerpunkt (Corporate) Real Estate, Standort- und Portfoliostrategien inkl. Markteintrittsberatung. Er ist Gründer der unabhängigen Plattform „India Rising“ (india-rising.com), auf der er wirtschaftliche Entwicklungen in Indien und globalen Märkten analysiert. Als Kolumnist bei theinder.net liefert er im "Wirtschaftsblick" fundierte Einblicke zu wirtschaftlichen Chancen, strategischen Herausforderungen und globalen Dynamiken.

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