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Fr., 27. Februar, 2026
StartWissenUmwelt & NachhaltigkeitIndische Städte und die Herausforderungen des Klimawandels

Indische Städte und die Herausforderungen des Klimawandels

Der Klimawandel stellt eine der größten Bedrohungen für das städtische Leben im 21. Jahrhundert dar – insbesondere in schnell wachsenden Ländern wie Indien. Mit der rasanten Ausdehnung der Städte verschärfen sich die Herausforderungen wie Hitzestress, Wasserknappheit, städtische Überschwemmungen und verschlechterte Luftqualität. Dieser Artikel zeigt, wie sich indische durch nachhaltige Stadtplanung, gemeinschaftliche Initiativen und klimaresiliente Infrastruktur anpassen.

Indiens urbane Klima-Notlage

Im Mai 2023 stiegen die Temperaturen in Delhi auf über 47 °C. In einer bescheidenen Gemeindebibliothek im Stadtteil Rohini versammelten sich ältere Bewohnerinnen und Bewohner, Straßenhändler, Rikschafahrer auf der Suche nach einem Zufluchtsort: Die Bibliothek war zu einem provisorischen Kühlzentrum umfunktioniert worden. In solchen unkomplizierten Reaktionen entfaltet sich Indiens Klimageschichte. Indien urbanisiert sich in beispiellosem Tempo: Über 35 % der Bevölkerung, also über 500 Millionen Menschen, leben bereits in Städten – bis 2030 sollen es 40 % sein. Gleichzeitig gehört Indien laut dem Global Climate Risk Index 2021 zu den fünf klimaanfälligsten Ländern weltweit.

Zentrale städtische Klima-Herausforderungen

  • Hitzewellen: 11 der 15 heißesten Städte Südasiens liegen in Indien (Quelle: Weltbank, 2022). Die Hitzeperioden werden länger, die Temperaturen heißer.
  • Wasserknappheit: 21 große indische Städte könnten bis 2030 ihr Grundwasser erschöpfen (Quelle: NITI Aayog)
  • Überschwemmungen: Rasantes Wachstum und unzureichende Entwässerung erhöhen das Risiko z. B. in Mumbai und Chennai. Vor allem während der massiven Regenfälle in der Monsunzeit kommt es zu Überschwemmungen. Besonders gefährdet sind dabei die Menschen in Slums, deren Häuser den Wassermassen nicht standhalten können und die keine Zufluchtsmöglichkeiten haben.
  • Luftqualität: 13 der 20 weltweit am stärksten verschmutzten Städte befinden sich in Indien. Dazu tragen der Verkehr und die Verbrennung auf den Müllhalden bei, aber auch das immer noch verbreitete Kochen auf offenen Herden mit Holz.
StadtZentrales KlimarisikoBetroffene BevölkerungAnpassungsdringlichkeit
DelhiHitzewellen, Luftverschmutzung32 MillionenHoch
MumbaiStädtische Überschwemmungen22 MillionenSehr hoch
BengaluruWasserknappheit12 MillionenHoch
ChennaiÜberschwemmung & Dürre11 MillionenSehr hoch
Klimaanfälligkeit großer indischer Städte

Nationale Programme auf der politischen Ebene

Die indische Regierung hat in den vergangenen Jahren einige ehrgeizige Programme auf den Weg gebracht, um den Herausforderungen der Klimakatastrophe zu begegnen:

  • Nationales Aktionsprogramm zum Klimawandel (National Action Plan on Climate Change NAPCC): Ziel des nationalen Aktionsprogramms ist es, die Ärmsten der Armen zu schützen, ökologische Nachhaltigkeit zu erzielen und sowohl mit technischen Neuerungen und politischen Maßnahmen zu arbeiten. Unter anderem geht es darum, die erneuerbaren Energien zu fördern und Emissionen zu reduzieren, die Wasserressourcen zu schützen und effizienter mit Energie umzugehen,
  • Smart Cities Mission: Eine Smart City, die lebenswert für die Menschen ist, hat nach Ansicht der indischen Regierung viele Komponenten. Der Umgang mit klimatischen Herausforderungen spielt dabei eine große Rolle: Über 70 der 100 Smart Cities setzen bereits Klimaprojekte um, installieren Solarpaneele auf öffentlichen Gebäuden, pflanzen Mikrowälder, begrünen Dächer und Hauswände, erweitern den öffentlichen Nahverkehr, sparen Wasser.
  • Klimaschutzpläne (State Action Plans on Climate Change SAPCCs): Alle indischen Bundesstaaten haben eigene Klimaschutzpläne erarbeitet.

Urbane Resilienz – Innovationen auf Stadtebene

Was heißt das alles konkret? Was unternehmen Städte, um den Hitzeschock abzumildern? Die Ansätze sind vielfältig:

Delhi – Abkühlung der Hauptstadt

  • Kühldächer: Reflektierende Dachanstriche
  • Stadtwälder: 2023 über 2.000 Miniwälder nach Miyawaki-Methode, um die Temperaturen herunterzukühlen und mehr Sauerstoff in die Stadt zu bringen
  • Metroausbau: Über 400 km öffentlicher Nahverkehr – dies reduziert die Emissionen des Straßenverkehrs, wenn weniger Autos und Motorräder unterwegs sind
  • Kühlzentren für die Gemeinschaft: Umnutzung von Bibliotheken, Hallen und Einkaufszentren bei Extremhitze

Ahmedabad – Hitzeaktions-Pionier

  • Erste Stadt Südasiens mit einem Hitzeaktionsplan (bereits 2013), dies sorgte im Vergleich für 30 % weniger hitzebedingte Todesfälle
  • Frühwarnsystem für die Bevölkerung
  • Wasserstationen, damit Trinkwasser für jede und jeden immer erhältlich ist

Chennai – Kampf gegen Fluten und Dürren

  • 700 km Regenwasserkanäle wurden modernisiert, so wird das wertvolle Wasser aufgefangen und verwendet
  • Über 200 Wasserflächen revitalisiert
  • Risikokartierung der Küsten, damit Gebiete, denen Überschwemmungen drohen, besser geschützt werden können

Pune – Gärten auf den Dächern

  • Begrünte Dächer sorgen für Abkühlung in den Gebäuden und Straßen, außerdem bringen sie mehr Sauerstoff in die Stadt

Mysore – Begrünung für Mobilität und Klima

  • Ein modernes Verkehrskonzept: Pilotprojekt für E-Busse und Fahrradspuren sowie ein öffentliches Fahrradverleihsystem
  • Regenwassergärten in der Stadt – mehr Pflanzen, die durch natürliches Wasser leben

Viele Ideen sind nicht neu, sondern beruhen auf jahrhundertealten Traditionen, die im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung und der Modernisierung aus der Mode kamen und in Vergessenheit geraten sind. Jetzt beleben Stadtplaner sie wieder und

Globale Spuren: Indiens Städte im internationalen Vergleich

Indische Städte kopieren nicht den Westen – sie passen globale Ideen lokal an.

MerkmalSüdeuropaIndien
HitzeschutzräumeUnibibliotheken, EinkaufszentrenGemeindehallen, Metrostationen
Öffentlicher WasserzugangStraßenbrunnenJal Shakti-Kioske, mobile Wassertanker
Urbane LandwirtschaftBalkongärten, DachfarmenDachfarmen, Kompostzentren
BegrünungsmaßnahmenOlivenhaine, SchattenparksStadtwälder, Miyawaki-Bäume

Ausblick: Resilient in die Zukunft

Der Klimawandel wird sich nicht aufhalten lassen. Indien muss – wie alle anderen Nationen auch – auf die Herausforderungen reagieren und mit ihnen umgehen, um die Menschen im Land zu beschützen. Besonders diejenigen, die wenig bis nichts zur Klimakatastrophe beigetragen haben, aber am meisten darunter leiden, weil sie sich nicht in klimatisierte Villen zurückziehen können, sondern in prekären Behausungen leben. Für die städtischen Entscheidungsträger heißt das konkret: Sie müssen das Thema Resilienz in ihre Stadtentwicklungspläne integrieren, um den Herausforderungen begegnen zu können. Wichtige Faktoren dabei sind meines Erachtens: Die Bürgerbeteiligung in der Planung stärken und die Zusammenarbeit zwischen Städten zu fördern. Denn die Menschen wissen am besten, was sie benötigen und was in ihrer jeweiligen Umgebung hilfreich ist – und gleichzeitig muss nicht jede Stadt auf dem gesamten Subkontinent alles neu planen und organisieren. Ein Ideenaustausch ist absolut erforderlich, der einhergeht mit der Zusammenarbeit verschiedener Akteure.

DIZ Hintergrundinformationen

Auch einige indische Projektpartner des Vereins Deutsch-Indische Zusammenarbeit e. V. (DIZ) in Frankfurt am Main setzen sich im Bereich des Klimawandels für eine Abmilderung der Folgen sowie für die Aufklärung von ruraler Bevölkerung ein. So etwa in dem Vorhaben zur Verbesserung der Klimaresilienz und Capacity Building im Tiruvallur District in Tamil Nadu, ca. 60 km westlich der Millionenmetropole Chennai. Neben der Errichtung von 50 sog. Oxy Parks (Mikrowäldern) in Zusammenarbeit mit den örtlichen Panchayats, der lokalen Bevölkerung sowie dem Forest Department bildet der lokale Partner – Integrated Rural Community Development Society (IRCDS) –  alle relevanten Stakeholder (darunter auch Frauenselbsthilfegruppen, Jugendgruppen und Panchayat-Mitglieder) zu Fragen der Klimaresilienz und zur Bedeutung der Ausweitung der Grünbedeckung fort. Dieses von der DIZ geförderte und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Vorhaben erstreckt sich über vier Jahre bis Ende 2028.

Es ist auch möglich, gemeinsam mit der DIZ einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst von mindestens 6 Monaten Dauer bei IRCDS in Tiruvallur zu machen und sich in die Arbeit einzubringen. Auch dieser Dienst wird vom BMZ gefördert und nennt sich weltwärts-Freiwilligendienst. Weitere Informationen unter info@diz-ev.de oder 069 – 7940 3920.

Dem DIZ kann man auch auf Instagram folgen und Linkedin.

Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde in Zusammenarbeit mit Deutsch-Indische Zusammenarbeit e.V. veröffentlicht.

Prajwal Martin
Prajwal Martin
Prajwal Dornahalli Martin ist Stadtplaner aus Indien mit einem Hintergrund in Bauingenieurwesen und Geoinformatik, der seit November 2024 bei der Deutsch-Indischen Zusammenarbeit e. V. in Frankfurt tätig ist. Er engagiert sich für nachhaltige Stadtentwicklung, Klimaanpassung und internationale Zusammenarbeit.

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