In der deutschen Diplomatie am Standort Indien steht ein bedeutender Wechsel bevor. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, soll Dr. Jasper Wieck im Sommer 2026 die Nachfolge von Dr. Philipp Ackermann antreten, der als Botschafter nach Peking wechselt. Mit Jasper Wieck kehrt ein Name in die indische Hauptstadt zurück, dessen familiäre Historie tief mit den deutsch-indischen Beziehungen verwoben ist.

Expertise mit Tradition
Dr. Jasper Wieck gilt im Auswärtigen Amt als einer der profiliertesten Kenner Südasiens. Zuletzt war er als Politischer Direktor im Bundesministerium der Verteidigung tätig und koordinierte zuvor als Sonderbeauftragter die deutsche Politik für Afghanistan und Pakistan. Seine voraussichtliche Ernennung unterstreicht die wachsende sicherheitspolitische Bedeutung der Partnerschaft mit Indien.
Die Berufung hat eine bemerkenswerte biografische Komponente: Jasper Wieck folgt dem Weg seines Vaters, Dr. Hans-Georg Wieck (1928–2024). Dieser leitete die Botschaft in Indien von 1990 bis 1993, nachdem er zuvor Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) gewesen war. Hans-Georg Wieck prägte das Verhältnis beider Länder nachhaltig, auch als langjähriger Präsident der Deutsch-Indischen Gesellschaft (DIG).
Kontinuität als diplomatischer Faktor
Die Wurzeln dieser Verbindung reichen weit zurück. In seinen Publikationen befasste sich Hans-Georg Wieck intensiv mit der Historie der DIG. Er beschrieb deren Gründung am 11. September 1942 im Hamburger Hotel Atlantic – im Beisein von Subhas Chandra Bose – als „politische Sympathiekundgebung Deutschlands“ für das indische Unabhängigkeitsstreben. Er verwies dabei explizit darauf, dass die „im Laufe des Krieges geschmiedeten Verbindungen“ zwischen Deutschen und Indern als Fundament für die Neukonstituierung der Gesellschaft im Jahr 1953 dienten.
Diese Form der Kontinuität gilt in der Diplomatie oft als wertvoller Standortvorteil. In Indien wird der Name Wieck mit einer langen Tradition der Verbundenheit assoziiert. Jasper Wieck bringt somit ein Netzwerk und eine familiäre Historie mit, die in Delhi als Zeichen von Beständigkeit und Wertschätzung wahrgenommen werden dürften.
Die nächste Generation im vorpolitischen Raum
Dass das außenpolitische Engagement innerhalb der Familie Wieck eine Konstante bleibt, zeigt sich auch in der nächsten Generation. Henning Wieck, der Sohn des künftigen Botschafters, bringt sich bereits aktiv im „Arbeitskreis Junge Außenpolitik“ der Konrad-Adenauer-Stiftung ein. Damit setzt sich ein Muster fort, nach dem außenpolitische Expertise, Netzwerke und das Interesse an internationalen Beziehungen über drei Generationen hinweg gepflegt werden.
Die voraussichtliche Ernennung von Jasper Wieck ist für die deutsch-indische Partnerschaft daher mehr als eine personelle Entscheidung; sie ist ein Signal der Stabilität. Sie verdeutlicht jedoch auch ein Merkmal der deutschen Diplomatie: Große bilaterale Linien werden oft von einem beständigen Kreis von Akteuren getragen. Jasper Wieck führt damit eine Tradition fort, die das Fundament der Beziehungen zwischen Berlin und Delhi seit Jahrzehnten mitgestaltet.
Quellenangaben:
- Pistorius bekommt neuen Politikberater: Der alte geht nach Delhi, der neue kommt aus Brüssel, Der Tagesspiegel, 11.02.2026
- Dr. Jasper Wieck – Profil, Bundesstiftung für Aufarbeitung
- Lambsdorff soll Nachfolger von Seibert in Israel werden, Jüdische Allgemeine, 10.02.2026
- Diplomatie: Wer neuer Botschafter in Peking wird, Table.Briefings, 10.02.2026
- Nachruf Hans-Georg Wieck (28. März 1928 – 15. Mai 2024), Südasienbüro, 17.06.2024
- Arbeitskreis Junge Außenpolitik, Konrad-Adenauer-Stiftung
- Teil 4/5: Indiens Schattenmann im Europa der Diktaturen






