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Sa., 17. Januar, 2026
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Warum Indien für den Mittelstand jetzt zählt

Die jüngste Indien-Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz hat aufgezeigt, was in den vergangenen Jahren bereits im Verborgenen gewachsen ist: Die wirtschaftliche Beziehung zwischen Deutschland und Indien ist weit mehr als Summen in Gipfeldokumenten. Sie hat Substanz, strukturelle Tiefe und ein unausgesprochenes Momentum, das gerade für den deutschen Mittelstand entscheidend sein könnte.

Foto: KI-unterstützt

Bilateral hat der Handel mit Indien 2025 ein Rekordniveau erreicht: Über 50 Milliarden US-Dollar werden inzwischen zwischen beiden Volkswirtschaften umgesetzt, mit mehr als 2.000 deutschen Firmen vor Ort. Schon vor Merz’ Besuch war klar: Indien ist nicht nur Markt, sondern Produktions- und Innovationsraum auf Jahrzehnte.

Warum der Mittelstand jetzt handeln muss

Der Mittelstand trägt über 90 Prozent der deutschen industriellen Wertschöpfung, ist global anerkannt für Spezialmaschinen, präzise Fertigung und Engineering-Exzellenz, aber er ist zugleich durch Fachkräftemangel, Kosten- und Wettbewerbsdruck in Deutschland stärker belastet als lange sichtbar. Die Lage ist bekannt, aber die Antwort bislang oft dieselbe: Binnenpolitik, digitale Transformation, Regulierung.

Indien bietet hier ein Kombinationspotenzial, das bisher zu selten strategisch genutzt wird: ein riesiger, gut ausgebildeter Talentpool, wachsende Tech-Cluster, Kosteneffizienz und Marktpotenziale, die mit jedem Jahrzehnt zunehmen. Das ist nicht nur Outsourcing, sondern geht an die strukturellen Bedürfnisse des Mittelstands.

Wirtschaftsförderer aus deutschen Bundesländern haben diesen Wandel bereits gesucht: Delegationsreisen nach Tamil Nadu mit Mittelstandsbeteiligung zeigen, dass es nicht bei Lippenbekenntnissen bleibt. Gleichzeitig wächst die Anerkennung indischer Fachkräfte in Deutschland. Laut Statistiken verdienen indische Beschäftigte in technischen Berufen oft deutlich mehr als der Durchschnitt ausländischer Arbeitskräfte hierzulande, ein Zeichen für ihre Wertschöpfung im hiesigen Arbeitsmarkt.

Vom Produktionsstandort zur talentgestützten Wertschöpfung

Viele Mittelständler betrachten Indien noch als Erweiterung ihrer Fertigung. Doch das Potenzial geht weiter:

  • Skill-Pools und Wissensmobilität: Indien liefert nicht nur IT-Talente, sondern Ingenieure, Techniker und MINT-Fachkräfte in großer Zahl. Initiativen zur Erleichterung der Fachkräftezuwanderung schaffen Rahmenbedingungen, die über Pflege hinausgehen und gerade für digitale Produktion, Software-Engineering oder KI-Anwendungen relevant sind.
  • Wachstumsräume für Produktion und Co-Innovation: Regionen wie Karnataka oder Maharashtra sind nicht nur Produktionszentren, sondern Innovationscluster mit starken Start-ups und schnell wachsenden Gebieten im digitalen und grünen Technologiesektor.
  • Produktionsverlagerung als Wettbewerbsstrategie: Angesichts geopolitischer Spannungen und fragmentierter Lieferketten kann eine gezielte Produktionsverlagerung nach Indien ein Risiko- und Kostenmanagement-Instrument sein, nicht nur ein Kostenargument.

Die Brücke zwischen Indien und Deutschland operationalisieren

Was bislang fehlt, sind wiederholbare, skalierbare Modelle, die mehr sind als Einzelfälle. Das bilaterale Umfeld verbessert sich: Programme wie das „Make in India Mittelstand“ erleichtern Markteintritt und Investitionen, und Dialogformate zu Arbeitsmigration schaffen planerische Sicherheit. Doch Mittelstand braucht Konkretes:

  • Zwei-Wege-Mobility: nicht nur Fachkräfte nach Deutschland, sondern deutsche Fachkräfte in Indo-German Co-Innovation-Zentren, um Wissenstransfer in beide Richtungen zu ermöglichen.
  • Co-Location-Entscheidungen als strategische Achse: Produktions- und F&E-Standorte in Indien schaffen Raum für Skalierung, lokale Anpassung und globale Wettbewerbsfähigkeit zugleich.
  • Binationale Kompetenzzentren: kleine und mittlere Unternehmen könnten von gemeinsamen Kompetenzzentren profitieren, die Ausbildung, Technologie und Marktzugang bündeln.

Fazit

Indien ist nicht nur ein Markt. Es ist ein Partner für Struktur, Innovation, Talent-Mobilität und Wettbewerbsfähigkeit – gerade für den deutschen Mittelstand, der jenseits kurzfristiger Effizienzgewinne langfristige Resilienz braucht. Der Rekordhandel, die wachsenden Präsenz deutscher Firmen und die politischen Signalwirkung der jüngsten Gespräche markieren eine Neuausrichtung. Wie gut sie genutzt wird, entscheidet sich in Unternehmen, nicht in Gipfelerklärungen.

Indien kann ein Katalysator für deutschen Mittelstandserfolg im 21. Jahrhundert sein, wenn Brücken von Opportunität zu operativer Exzellenz gebaut werden.


https://timesofindia.indiatimes.com/business/india-business/india-germany-trade-pm-modi-german-chancellor-merz-meet-ceos-aim-to-boost-india-germany-economic-ties/articleshow/126480346.cms

https://timesofindia.indiatimes.com/business/india-business/india-germany-trade-pm-modi-german-chancellor-merz-meet-ceos-aim-to-boost-india-germany-economic-ties/articleshow/126480346.cms

https://www.mea.gov.in/Portal/ForeignRelation/India-Germany-2024.pdf

https://www.welt.de/regionales/sachsen/article691051aab2d352db40764ad8/wirtschaftsminister-will-kontakte-mit-indien-ausbauen.html

https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wirtschaft_nt/article6957b63a392c7b91b7cd261a/vergleich-inder-haben-die-hoechsten-loehne-in-deutschland.html

https://www.ey.com/de_de/technical/news-zum-internationalen-mitarbeitereinsatz/bruecken-bauen-wie-indien-zur-loesung-der-deutschen-fachkraefteluecke-wird

https://www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/2681714/c7c94806430268eba0052cf050b9d128/241025-deu-ind-erklaerung-data.pdf

Tomal K. Ganguly
Tomal K. Ganguly
Tomal Ganguly gehört zum Leitungsteam von theinder.net und ist verantwortlich für den Bereich Marketing. Tomal studierte internationales Management an der Hochschule Esslingen und hält einen Masterabschluss an der Universität Liechtenstein. Tomal wohnt in München und ist Unternehmensberater für Blockchain und Smart Mobility, zudem als Botschafter für den Mittelstand zwischen Deutschland, Indien und Südamerika aktiv.

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