
Es gibt keinen Bürgersteig. Am Rand der stark befahrenen Straße im Stadtteil Banjara Hills laufe ich an einer Mauer entlang und schlängele mich langsam um ein paar Bäume herum, immer auf der Hut vor der dröhnenden Blechlawine Hyderabads im Rücken.
Nichtsahnend bleibe ich vor einem Exemplar stehen … und stutze: Das sind doch zwei kleine Holzschnitte im Stamm! An einer Stelle, an der fast niemand zu Fuß unterwegs ist, hat sich ein Künstler verewigt. Oder sollte ich mich täuschen? Ich schaue genauer hin … das ist doch von Menschenhand erschaffen! Aber wer mag sie angefertigt haben? Und warum gerade hier?
Berührt bleibe ich länger davor stehen. Auf einmal wird der Verkehr immer leiser, ich versinke in der Kunst, im Bild im Stamm des Baumes … bin im Dorf, steh vor dem Haus, atme tief, sehe weit, flieg mit den Kindern, lausche den Vögeln, rufe die Büffel, knie vor dem Grün und öffne die Tür … Urplötzlich wieder das Dröhnen der Straße, unfreiwillig bin ich zurück aus dem Tagtraum. Und dankbar dafür, den wilden Weg ohne Bürgersteig gewählt zu haben.






