(von Rita Pant) Am 9. November 2000 wurde das 27. Bundesland der indischen Föderation, Uttaranchal, gegründet. 7.045 Millionen Menschen leben in dem ca. 60.000 Quadratkilometer großen Staat, der sich zusammensetzt aus den dreizehn Distrikten der nördlichen Uttar Pradesh Bergregionen von Kumaon und Garwhal (Uttarakashi, Tehri Garwhal, Chamoli, Almora, Champawat, Rudraprayag, Dehradun, Hardwar, Pauri Garwhal, Pithora Garh, Nainital, Bageshwar).
Seit Jahren waren sich die Bewohner der Himalaya-Bergregionen Kumaon und Garwhal einig in ihrer Forderung nach Selbständigkeit, kaum ist der Staat jedoch gegründet, ist es mit der Einigkeit der Bewohner vorbei und die vertrauten Querelen und Rivalitäten zwischen Kumaonis und Garwhalis nehmen ihren alten Gang. Erst die Hoffnung, eine eigene Regierung werde die Vernachlässigung der Bergregion durch die Bundesregierung beenden und die Politik wieder näher zu denen, die sie auch angeht bringen, brachte die beiden Regionen einander näher, bis dahin hatten sie sich die meiste Zeit als getrennte politische Einheiten gefühlt. Diese Hoffnung allerdings, muss sich erst noch bestätigen. Schon jetzt, kein Jahr nach der Gründung, geht die Meinung vieler Bewohner dahin, die Gründung des Staates hätte in erster Linie im Interesse der Politiker gelegen, die sich davon mehr Geld von Delhi erwarteten und bringe den Bewohnern selbst nichts Neues, geschweige denn Besseres.
Grundlegende Fragen geben Anlaß zu Streit: Schon der Name des neuen Bundeslandes ist für viele „Paharis“, wie sich die Bewohner der Bergregion selbst nennen, Beweis dafür, dass zwar die Regierung in Delhi der Gründung zugestimmt hat, ihre Einstellung gegenüber den Bewohnern der Region sich jedoch nicht geändert hätte.“Uttaranchal, the name is a symbol of slavery“, so Jai Prakash, der Führer des Uttarakhand Kranti Dal. Er kämpft für den Namen „Uttarakhand“, da dieser die jahrhundertealte Bedeutung der Region widerspiegele, mit dem Namen Uttaranchal“ hingegen, der neueren Ursprungs ist, wolle Delhi die Bergbewohner ihre Bedeutungslosigkeit und niederen Status weiterhin spüren lassen. Auch die Wahl der neuen Hauptstadt Dehradun gibt Grund zu Unstimmigkeit, da sie auf wenig Gegenliebe bei den Bewohnern Kumaons trifft, die die Wahl einer näher zur eigenen Region gelegenen Stadt bevorzugt hätten.
In der Gegnerschaft über die Ernennung des neuen Ministerpräsidenten Nityanand Swami haben Garwhalis und Kumaonis wieder ein gemeinsames Ziel, denn dieser ist kein Pahari, sondern kommt ursprünglich aus Haryana (und ist erst seit den letzten vierzig Jahren in Garwhal beheimatet). Ihm wird vorgeworfen, von der Regierung in Lucknow (welche als Regierung von Uttar Pradesh bis zum 9. November auch die Regierung der Bergregion war) als Puppe eingesetzt worden zu sein, die ihre Macht über die Region so bei zu behalten versucht.
Und nicht alle Bewohner des neuen Bundeslandes sind glücklich über die gewonnene Unabhängigkeit. Die Bewohner des Distriktes Udhamsingpur, in der Ebene gelegen, fühlen sich den Paharis nicht zugehörig und fühlen sich deshalb zu Unrecht vereinnahmt. So ist auch aus dieser Richtung eher politische Instabilität zu erwarten, welche die Festigung des jungen Bundeslandes weiter erschweren könnte.
Wie und ob sich Uttaranchal trotz der innerpolitschen Querelen, trotz der scheinbaren Ungunst Delhis und trotz der geringen eigenen wirtschaftlichen Ressourcen zu einem lebensfähigen Bundesland entwickeln wird, bleibt zu beobachten.






