
Hamburg. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen steht im Zentrum globaler Spannungen – zugleich unverzichtbar und offenkundig reformbedürftig. Bei einer Veranstaltung des Forums Internationale Politik der SPD Hamburg in der Staats- und Universitätsbibliothek diskutierten politische Mandatsträger und Diplomaten am 13.12.25 vor internationalem Publikum über Legitimität, Macht und Blockaden eines Gremiums, dessen Zusammensetzung weiterhin den Nachkriegsrealitäten folgt und durch ein Vetosystem Reformen erschwert. Die Debatte auf Englisch unterstrich, dass globale Ordnungspolitik längst nicht mehr aus einer europäischen Perspektive verhandelt werden kann.
Besondere Aufmerksamkeit galt der Rolle Indiens. Als bevölkerungsreichste Demokratie der Welt, wirtschaftlich aufstrebender Akteur und geopolitischer Vermittler zwischen Nord und Süd zeigt Indien exemplarisch die Lücke zwischen realer Bedeutung und formaler Mitsprache im Sicherheitsrat. Eine Reform ohne Staaten dieser Gewichtsklasse wäre kaum glaubwürdig. Dabei ging es weniger um nationale Forderungen als um die grundsätzliche Frage, wie Legitimität in einer zunehmend multipolaren Welt hergestellt werden kann.
Die ägyptische Generalkonsulin Dahlia Abdel-Fattah plädierte eindringlich für eine stärkere institutionelle Repräsentation Afrikas, darunter mindestens zwei ständige Sitze. Verweise auf BRICS und neue Koordinierungsmechanismen verdeutlichten, dass Reformdruck heute weniger aus moralischen Appellen als aus veränderten Machtverhältnissen erwächst. Länder des Globalen Südens fordern zunehmend, dass ihre wachsende Rolle international abgebildet wird – ein Anliegen, das Indien teilt.
Die politischen Beiträge aus Bundestag und Bürgerschaft betonten die Ambivalenz des Sicherheitsrats: Trotz aller Defizite bleibt er das einzige Gremium mit völkerrechtlich verbindlicher Autorität. Ein Verzicht wurde nicht ernsthaft erwogen. Diskutiert wurden realistische Optionen: mehr Transparenz, ergänzende Strukturen und schrittweise Anpassungen, die Blockaden zumindest abmildern könnten.
Am Ende zeigte sich: Der Sicherheitsrat ist reformbedürftig, aber nicht ersetzbar. Für Staaten wie Indien liegt die Herausforderung darin, Reformdruck in konkrete Veränderungen zu übersetzen, ohne die fragile Architektur der multilateralen Ordnung zu destabilisieren. Die Debatte in Hamburg machte deutlich: Ob multilaterale Ordnung künftig als legitim wahrgenommen wird, hängt nicht an abstrakten Modellen, sondern an der Einbindung der globalen Akteure – und Indien ist dabei einer der zentralen Prüfsteine.






