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Di., 10. März, 2026
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WHO CARED: Wenn Pflegegeschichte zum Familiendialog wird

Foto: (c) WHO CARED

Das Migrationsprojekt WHO CARED rückt eine bisher oft übersehene Facette der bundesdeutschen Geschichte ins Rampenlicht: die Care-Migration. Während der Pflegenotstand heute als hochaktuelles Thema gilt, macht das Projekt deutlich, dass Deutschland bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren gezielt Menschen aus dem Ausland – insbesondere aus Südkorea, den Philippinen und Indien – anwarb, um die massiven Personallücken im Gesundheitswesen zu schließen. Die geschichtliche Relevanz liegt vor allem darin, dass die Erfahrungen dieser Generation das Land nachhaltig geprägt haben, im öffentlichen Gedächtnis und der deutschen Erinnerungskultur jedoch häufig unsichtbar geblieben sind.

Hinter dem Online-Archiv steht ein interdisziplinäres Team, das die Brücke zwischen Dokumentation, Forschung und Community-Arbeit schlägt. Die Projektleitung liegt in den Händen der Journalistin Julia Wadhawan, während die Kulturanthropologin Urmila Goel die wissenschaftliche Bedeutung für die Forschung einordnet. Unterstützt wird das Vorhaben durch die Kreativleitung von Manoj Kurian sowie Viola Mattathil-Reuther, die tiefe Einblicke in die betroffene Community beisteuert. Gemeinsam verfolgen sie die Motivation, die Lebensgeschichten derer, die einst kamen, um zu pflegen, als festen Bestandteil der deutschen Identität für die Zukunft zu bewahren.

Ein besonderes Qualitätsmerkmal von WHO CARED ist der sensible, generationenübergreifende Ansatz der Dokumentation. Die Porträtierten – aktuell mit einem Fokus auf Krankenschwestern aus dem südindischen Bundesstaat Kerala – werden nicht von außenstehenden Dritten, sondern von ihren eigenen Kindern, Enkeln oder Nichten und Neffen interviewt. Diese familiäre Nähe ermöglicht eine Tiefe in den Erzählungen über das Ankommen, das Bleiben und die persönlichen Opfer, die herkömmliche Archivarbeit oft nicht erreicht.

Die Koordinatorin Julia Wadhawan bringt die Notwendigkeit dieser Aufarbeitung prägnant auf den Punkt: „Dass Pflegenotstand und Care-Migration hochaktuell ist, wissen viele. Dass Deutschland das alles schon mal erlebt hat, weniger“. Ihr Ziel ist es, durch die Sichtbarmachung dieser Biografien einen Spiegel für die heutige Gesellschaft vorzuhalten, die oft dazu neigt, historische Parallelen zu übersehen.

Wer tiefer in diese bewegten Biografien eintauchen möchte, hat am 23. und 24. April 2026 die Gelegenheit, das Projekt bei freiem Eintritt im Museum der Arbeit, Hamburg sowie im SPÄTI des Humboldt Forum Berlin persönlich kennenzulernen.

Weitere Informationen:

Bijon Chatterji
Bijon Chatterji
Bijon Chatterji (*1978) ist Mitbegründer und Chefredakteur von theinder.net. Nach dem Biologiestudium in Braunschweig promovierte und forschte er rund zehn Jahre in Hannover, bevor er in die Industrie wechselte. Seit über einem Jahrzehnt ist er in globaler Verantwortung für Biotechnologieunternehmen tätig, u.a. mit besonderem Fokus auf Indien. Von 2012 bis 2016 war er Mitglied der Auswahlkommission des Programms "Deutsch-Indisches Klassenzimmer" der Robert Bosch Stiftung und des Goethe-Instituts Neu-Delhi. Seit 2018 ist er Mitorganisator des "Hanseatic India Colloquium" in Hamburg, referierte u. a. am IIT Bombay und nimmt seit 2023 auf Einladung der Bundesintegrationsbeauftragten an Dialoggesprächen im Bundeskanzleramt teil.

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