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Mo., 13. April, 2026
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Keine Königin, sondern Möglichkeit: Asha Bhosle

Asha Bhosle ist am 12. April 2026 in Mumbai im Alter von 92 Jahren gestorben. „Königin des Bollywood-Playbackgesangs“ – so hat es der Der Spiegel formuliert. Es ist eine jener schnellen Zuschreibungen, die Orientierung versprechen und doch am Wesentlichen vorbeigehen. Denn Bhosle war nie bloß eine Stimme für andere. Sie war eine, die Musik veränderte, indem sie sich ihr entzog. Ein Kommentar von Nina Rao.

Foto: Deedar Singh Pardesi (links) und Asha Bhosle (rechts) vor der Aufnahme des Liedes „Mere Dil Mein Raho Arzoo Ki Tarha“ unter der musikalischen Leitung von Chitra Gupta im Bombay Film Centre Studio, 1969. (c) Amarjit Chandan, gemeinfrei

Geboren 1933, aufgewachsen im musikalischen Umfeld um ihre Schwester Lata Mangeshkar, begann Asha Bhosle früh zu singen – zunächst aus Notwendigkeit. Ihr Weg führte nicht geradlinig nach oben, sondern durch eine Industrie, die lange klare Rollenmuster kannte. Während Mangeshkar für Reinheit und Kontrolle stand, brachte Bhosle etwas anderes ein: Beweglichkeit, ein Moment von Risiko. Sie sang das Leichte und das Anzügliche, das Spielerische und das Melancholische – und entzog sich damit jeder eindeutigen Zuordnung.

Diese Offenheit machte sie für Komponisten wie R. D. Burman und O. P. Nayyar zur idealen Partnerin. Ihre Stimme war kein Instrument, das man einsetzte, sondern ein Raum, in dem sich Musik erst formte. Mehr als 12.000 Aufnahmen in über 20 Sprachen markieren die Dimension ihres Werks; sie erklären es nicht. Entscheidend ist, dass Bhosle jede Form, die sie sang, verschob – oft nur um Nuancen, aber nachhaltig.

Dass sie sich nicht festlegen ließ, zeigte sich bis ins Spätwerk. Der Regisseur Ram Gopal Varma erinnerte daran, wie sie noch für „Rangeela“ mit der Neugier einer Anfängerin ins Studio kam. Auch die Zusammenarbeit mit A. R. Rahman belegt, dass sie nie zur retrospektiven Figur wurde. Sie blieb gegenwärtig, weil sie sich nicht auf Vergangenheit festschreiben ließ.

Die Reaktionen in Indien sind entsprechend weniger pathetisch als präzise. Premierminister Narendra Modi würdigte eine Künstlerin, die das kulturelle Gedächtnis des Landes geprägt habe. Der Musiker Shankar Mahadevan sprach von einer Stimme, die nicht vergehe, sondern in jedem Medium fortbestehe, in dem Musik erklinge. Und Usha Uthup nannte sie die vielseitigste Sängerin, die Indien hervorgebracht habe. Es sind nüchterne Beschreibungen für ein Werk, das sich jeder Festlegung entzieht.

Die Einäscherung soll mit staatlichen Ehren im Shivaji Park stattfinden. Doch solche Rituale markieren nur den sichtbaren Abschluss. Bhosles eigentliche Präsenz beginnt danach: in Liedern, die weiter zirkulieren, sich verändern, neu angeeignet werden.

Ihr Einfluss liegt weniger in einzelnen Titeln als in einer Verschiebung des Möglichen. Sie hat gezeigt, dass eine Stimme nicht eindeutig sein muss – nicht im Ausdruck, nicht im Genre, nicht in ihrer Zeit. Vieles von dem, was die heutige indische Pop- und Filmmusik auszeichnet, diese selbstverständliche Durchlässigkeit zwischen Tradition und Gegenwart, trägt ihre Handschrift.

Vielleicht ist das die angemessenere Beschreibung als jede Krönungsmetapher: keine „Königin“, sondern eine Instanz der Öffnung. Eine Sängerin, die der Musik Möglichkeiten gab – und sie offen hielt.

Nina Rao
Nina Rao
Nina studiert an der TU Dortmund und interessiert sich für den indischen Film. Gut gemachte Bollywoodfilme haben es ihr besonders angetan. Seit 2024 schreibt sie für theinder.net hauptsächlich Bollywood-Filmkritiken, die sie in deutschsprachigen Medien immer noch für unterrepräsentiert hält...

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