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Sa., 14. März, 2026
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„Der Meister des Mythos wird siebzig“

Der deutsche Indologe und Publizist Martin Kämpchen würdigt in der Frankfurter Allgemeine Zeitung den indischen Schriftsteller, Diplomaten und Politiker Shashi Tharoor zu dessen 70. Geburtstag – ein Anlass, der den Blick noch einmal auf eine der markantesten intellektuellen Stimmen des modernen Indien lenkt.

Foto: Shashi Tharoor, (c) Chatham House

Kämpchen beschreibt Tharoor als seltene Verbindung aus kosmopolitischem Intellektuellen, politischem Akteur und literarischem Erzähler. Früh als Wunderkind wahrgenommen, trat der in London geborene und in Indien aufgewachsene Tharoor nach Studien in Indien und den Vereinigten Staaten in die Vereinten Nationen ein, wo er bis zum stellvertretenden Generalsekretär aufstieg. Seit 2009 ist er zudem eine feste Größe der indischen Politik und vertritt für die Indian National Congress den Wahlkreis Thiruvananthapuram im Parlament.

Sein internationaler literarischer Durchbruch gelang mit dem Roman The Great Indian Novel (1989), einer satirischen Neuinterpretation des indischen Epos Mahabharata vor dem Hintergrund der Unabhängigkeitsbewegung des 20. Jahrhunderts. Kämpchen sieht darin eine literarische Leistung, die in ihrer mythologischen Tiefenstruktur mit Werken wie Midnight’s Children von Salman Rushdie vergleichbar sei.

In den folgenden Jahrzehnten profilierte sich Tharoor zunehmend als politischer Essayist und Historiker. Weltweite Aufmerksamkeit erregte sein Buch An Era of Darkness (2016), in dem er die ökonomischen Folgen der britischen Kolonialherrschaft analysiert und symbolische Reparationen fordert – eine These, die bereits auf einer viel beachteten Rede vor der Oxford Union beruhte.

Für Kämpchen verkörpert Tharoor den vielleicht prominentesten „public intellectual“ des heutigen Indien: ein global vernetzter Denker, rhetorisch brillant, politisch streitbar und zugleich literarisch sensibel für die Rolle von Mythos und Geschichte in der Gegenwart. Mit siebzig Jahren bleibt er, so die Würdigung, eine Ausnahmefigur im intellektuellen Leben des Landes.

Zum Artikel: „Der Meister des Mythos“ von Martin Kämpchen, 09.03.2026, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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