Das Warten hat ein Ende, denn die erste Filmproduktion von Amir Khan mit dem Titel „Lagaan“ wird am 1. Juni Premiere haben und gilt jetzt schon als Indiens Film des Jahres.

Was macht den Film so besonders? Ist es, weil manche der „Schauspieler“ noch nie in einem Film mitgespielt haben, da sie einfach nur ganz normale Bürger eines Dorfes in Bhuj sind oder dass es sich um einen Film aus dem Jahre 1890 dreht und dass in einer Zeit, in der Internet und Moderne immer mehr eine bedeutende Rolle spielen? Der Film unterscheidet sich von den anderen Bollywoodproduktionen, da es in diesem Film keine Spezialeffekte gibt und zum ersten Mal ein Dorf im Mittelpunkt steht. Endlich ist auch mal das indische Volk in einem indischen Film „der Held“.
Wie schon gesagt, der Film spielt im Jahre 1890 in Bhuj im Dorf von Kutch. Die Engländer haben das Sagen, doch die Dorfbewohner von Kutch wehren sich gegen die Tyrannei der Engländer und gegen die hohen Steuern, die diese verlangen. Die Kulisse um Bhuj herum wurde schon oft für Filme benutzt, z.B. „Hum Dil Chuke Sanam“ und „Refugee“, denn dort ist die Umgebung mit herrlichen Landschaften und schönen Bergen versehrt. Die Story ist erfunden und bassiert nicht auf die Widerstandsbewegungen aus der uns bekannten Geschichte. „Lagaan“ (zu deutsch: „Steuer“) ist ein historisch und kulturell äusserst wertvoller Film. Aus diesem Grunde hatte auch Amir Khan, der Produzent und Hauptdarsteller des Films große Bedenken, ob der Film Erfolg haben würde, denn die Vergangenheit zeigte mit den Filmen wie „Hey Ram“ und „Earth – 1947“, dass historische Filme keine Kassenschlager sind, doch bei „Lagaan“ sind sich alle sicher, dass dieser ein großer Erfolg werden dürfte. Die weibliche Hauptrolle wird Gracy Singh übernehmen (bekannt als „Dinky“ aus der berühmten Fernsehserie „Amaanat“), die zum erstenmal in so einen großen Film spielt. Allerdings fragen sich nun viele: warum ausgerechnet sie? Nun denn, Amir Khan wollte eine neue Schauspielerin für den Film haben, da endlich auch mal andere eine Chancen bekommen sollten, außerdem konnte sich Gracy Singh voll und ganz auf diesen Film konzentrieren, da es ihr erster ist.
40 Engländer/innen spielen verschiedene Rollen in diesem Film und wurden zuvor aus einem Casting in London herausgepickt.
Was auch jedem Zuschauer auffallen wird, ist dass viele der Schauspieler in „Lagaan“ Avadhi sprechen, eine Sprache ähnlich wie Hindi, das von den normalen Hindustanis gesprochen wird. Da der Film wirklich in allen Bereichen realitätsnah sein soll, wollte man nicht auf diese Sprache verzichten, da sie für gewöhnlich in diesem Dorf gesprochen wird.
Um die Kostüme der Schauspieler kümmerte sich Bhana Athaya, ein Experte für historische Filme, der zudem für den Film „Gandhi“ einen Oscar bekommen hatte.
Zu jedem guten Film gehört auch ein guter Soundtrack. Für diesen war kein geringerer als A.R.Rahman zuständig, und auch hier ist erneut ein musikalisches Meisterwerk entstanden, denn: wenn Rahman ruft, dann kommen sie alle. Sei es Lata Mangeshkar, Udit Narayan, Alka Yagnik, Sukhwinder Singh oder Shaan.
Auch der große Sarangi-Virtuose Ustad Sultan Khan hatte seine Finger im Spiel. Ach ja, auch der Maestro selbst gab eigene Gesangsstücke zum Besten und zeigt uns, dass A.R.Rahman es immer noch kann. Die Musik macht einen Spagat zwischen indischer klassischer Musik und westlicher klassischer Musik („Waltz for a Romance“). Die schönsten Songs sind sicherlich „Ghanam Ghanam“ (Udit Narayan, Alka Yagnik, Shaan…) und „O Paalanhaare“ (Lata Mangeshkar und Udit Narayan). Man spürt wahrlich die wunderschönen und tiefsinnigen Klänge. Rahman besuchte zweimal die Filmanlagen in Bhuj und ließ sich von der herrlichen Gegend inspirieren – das Ergebnis ist deutlich hörbar.
Dieser Soundtrack unterscheidet sich von den typischen Bollywoodstücken. Man kann es eigentlich nur mit Rahman-Stücken wie „Dil Se“ oder „Zubaidaa“ vergleichen. Anfang April wurde die Musik zu „Lagaan“ veröffentlicht. Dazu machten sogar Amir Khan und A.R. Rahman eine große Promotion-Tour durch fünf große Städte Indiens. Eine solche riesige Promo hat es zuvor noch nie gegeben.
Die Firma Sony investierte viel Geld, das sich auszahlen würde: innerhalb von wenigen Stunden waren die Cassetten und CD´s von „Lagaan“ restlos ausverkauft, Indien ist gar im „Lagaan-Fieber“ und wartet auf den Start des Films.
Das ganze Team und das Konzept des Films gehen bis jetzt auf, denn an diesem Projekt haben motivierte und kreative Menschen gearbeitet. Amir Khan ist nicht nur als Schauspieler ein ganz großer, sondern gleich mit seinem ersten Film als Produzent wird er wie eine Bombe einschlagen und uns endlich im Jahre 2001 einen Film mit Niveau auf die Leinwände bringen. Die krisengeschüttelte Bollywoodszene dankt es ihm.
Lagaan: der Film des Jahres? Meiner Meinung nach schon.






