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Filmreifer Machtwechsel in Tamil Nadu

Der tamilische Superstar Vijay hat das Unmögliche geschafft: Mit seiner erst 2024 gegründeten Partei TVK hat er die etablierten Draviden-Parteien bei den Parlamentswahlen in Tamil Nadu entthront. Doch der triumphale Sieg hat einen Schönheitsfehler – die absolute Mehrheit fehlt. Nun beginnt das politische Schachspiel um die Macht.


Joseph Vijay Chandrasekar“ von MotivationMaze ist lizenziert unter CC BY 4.0.

Chennai – Die Bilder aus Panaiyur, dem Hauptquartier der Tamilaga Vettri Kazhagam (TVK), glichen am Dienstag fast einer Filmpremiere. Jubelnde Anhänger, ein sichtlich bewegter Parteichef und die alles beherrschende Frage: Wird der populäre Schauspieler C. Joseph Vijay nun tatsächlich der erste Regierungschef Tamil Nadus, der weder aus der DMK noch der AIADMK stammt?

Mit 108 gewonnenen Sitzen hat die TVK bei ihrem fulminanten Debüt die politische Landschaft Tamil Nadus binnen weniger Stunden nachhaltig zertrümmert. Dass ein politischer Neuling die etablierten Mächte derart in die Knie zwingt, ist in der Geschichte des indischen Bundesstaates beispiellos. Doch das Wahlergebnis ist kein blanker Check für eine Alleinregierung.  

Das mathematische Dilemma

In der 234 Sitze umfassenden Legislative von Tamil Nadu liegt die Schwelle zur Regierungsbildung bei 118 Mandaten. Die TVK hat das Ziel deutlich verfehlt. Zudem verschärft sich die Situation durch eine persönliche Entscheidung Vijays: Da er in zwei Wahlkreisen (Perambur und Tiruchi East) siegreich war, muss er eines der beiden Mandate niederlegen. Damit schrumpft die Fraktionsstärke der TVK effektiv auf 107 Sitze. In einem dann auf 233 Mitglieder reduzierten Haus benötigt er also zwingend externe Unterstützung, um die magische Grenze zur Mehrheit zu überschreiten – mindestens fünf weitere Abgeordnete müssen gefunden werden.  

Die „säkulare“ Option

In den Korridoren der Macht in Chennai und Neu-Delhi laufen die Drähte heiß. Vijay hat bereits die Fühler in Richtung des Indian National Congress ausgestreckt, einem Teil der bisherigen Regierungskoalition unter der DMK.  

Die Reaktion aus dem Lager der Kongresspartei ist vorsichtig optimistisch. K.C. Venugopal, Generalsekretär des All India Congress Committee, betonte, das Mandat in Tamil Nadu sei ein klares Votum für eine „säkulare Regierung“. Man sei entschlossen, eine Regierungsbeteiligung der BJP oder ihrer Stellvertreter um jeden Preis zu verhindern. Ob der Kongress jedoch nur tolerieren wird oder aktiv in ein Kabinett unter Vijay eintritt, ist noch völlig offen.

Auch bei den linken Parteien sondiert die TVK das Terrain. Der Kontakt zum CPI(M)-Abgeordneten Su. Venkatesan wurde bereits aufgenommen, doch die Kommunisten halten sich bedeckt: Eine Entscheidung der Parteibasis wird für kommenden Freitag erwartet.

Ein Mandat für den Wandel

Für Vijay, der als „MGR-Plus“ – eine Anspielung auf den legendären, ebenfalls als Schauspieler berühmt gewordenen Ex-Ministerpräsidenten M.G. Ramachandran – gefeiert wird, beginnt nun die schwierigste Rolle seiner Karriere. Er muss beweisen, dass er nicht nur Massen mobilisieren, sondern auch staatstragende Koalitionen schmieden kann.

In einer ersten Reaktion auf die Glückwünsche von Premierminister Narendra Modi und Rahul Gandhi gab sich Vijay betont staatsmännisch. Sein Fokus, so ließ er über die Plattform X wissen, liege jenseits der Parteipolitik auf dem Wohl der Menschen in Tamil Nadu. Er setze auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Union, um die kulturelle Identität des Staates zu wahren.

Ob diese Rhetorik ausreicht, um die notwendige parlamentarische Mehrheit zu sichern, wird sich in den kommenden Tagen bei den Gesprächen mit dem Gouverneur Rajendra Vishwanath Arlekar zeigen. Sicher ist nur: Die politische Ära der strikten Trennung zwischen DMK und AIADMK ist beendet. Tamil Nadu hat am Dienstag gewählt – und sich für ein neues, ungewisses Kapitel entschieden.

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