„Protection and restriction“ – dies sind die zentralen Begriffe eines der intensivsten Highlights des diesjährigen Indischen Filmfestivals Stuttgart. Regisseur Dinjith Ayyathan nimmt uns mit in die rauen Regenwälder Südindiens und entfaltet ein tiefgründiges Psychogramm über Macht, Abhängigkeit und Manipulation.

Frisch vom Indischen Filmfestival Stuttgart mitgebracht: Dinjith Ayyathan erzählt in diesem extrem bildgewaltigen, in den rauen Regenwäldern Südindiens und Malaysias spielenden Epos die Geschichte einer malaysischen Frau und deren indischen Ehemann, Kuriachan, welcher ein Hundetrainer ist. Es geht um die Jagd der Polizei sowie von Privatpersonen nach ebenjenem Hundetrainer aufgrund vergangener Verbrechen.
Die speziell trainierten Hunde sind Beschützer und Gefängnis zugleich für die Protagonistin; sie lassen ohne die Anwesenheit des Ehemanns niemanden zu der Frau – gleichzeitig verwehren sie ihr aber auch, das Haus zu verlassen. So zeichnet sich ein sehr tiefgründiges Bild von Schutz und Beschränkung zugleich, welches Dinjith Ayyathan dem Zuschauer auf eindringliche Art und Weise vor Augen führt. Allerdings zeigt er auch auf, dass die Hunde keinen eigenen Willen haben und es sich um rein antrainiertes Verhalten handelt.
Aber zurück zu den „Jägern“ von Kuriachan: Diese werden wenig später selbst zu Gejagten, aber nicht unmittelbar durch Kuriachan selbst, sondern durch seine Hunde. Die Jäger bekommen bei der Suche nach Kuriachan außerdem Hilfe von einem schüchternen und zurückhaltenden jungen Mann, welcher sich später als „perfekter Hund“, Kuriachans Leibwächter, entpuppt. Der „perfekte Hund“ war immer Kuriachans großer Traum; der junge Mann ist ihm vollständig hörig und folgt den Befehlen seines Herrn blind.
EKO zeigt uns auf erschreckende Art und Weise auf, wie verwundbar wir in Abhängigkeitsverhältnissen sein können und wie unser ganzes Ich vollständig beeinflusst werden kann, ohne dass wir es merken – Manipulation als zentraler Baustein der Psychologie. Dies wird durch die malerische, aber zugleich düstere Kulisse der südindischen Regenwälder während der Monsunzeit in beeindruckender Weise untermauert.
Sandeep Pradeep als junger Helfer der Jäger sowie später als psychopathischer „Hund“ von Kuriachan schafft es, den Zuschauer in Gänsehaut sowie nahezu in eine leichte Schockstarre zu versetzen. Ebenso gibt Biana Momin als betagte Dame und Opfer Kuriachans sowie seiner Hunde dem Zuschauer das Gefühl, einen zutiefst verletzlichen Menschen vor sich zu haben, der aber geduldig und berechnend auf seine Chance zur Befreiung wartet.
Ein Kritikpunkt ist die bis zur Mitte des Films etwas schwer nachzuvollziehende Haupthandlung aufgrund diverser Zeitsprünge und Perspektiven. Insgesamt handelt es sich um einen extrem bildgewaltigen, tiefgründigen sowie etwas düsteren Film, der menschliche Abgründe auf eine etwas ungewöhnliche, aber durchaus erfrischende Art darstellt. Dazu kommen realistisch anmutende Actionszenen mitten im Dschungel sowie ständig das Gefühl, jetzt könnte jemand von hinten kommen.
Ferner werden die Hunde, welche im Film eine sehr zentrale Rolle spielen, in detaillierten Nahaufnahmen gezeigt, bei denen sich die aktuelle Gemütslage der Hunde in bestechender Weise dem Zuschauer zeigt. Dies ist deshalb wichtig zu betonen, weil laut Aussage des Regisseurs Dinjith Ayyathan bei diesem Film keine KI eingesetzt wurde.
Weiterhin hat dieser Film auch eine erhebliche gesellschaftspolitische Relevanz; und zwar nicht nur bei der Manipulation von Menschen im Alltag. Solche Abhängigkeitsverhältnisse mit Lenkung des Täters als Werkzeug werden bis heute in autoritären Regimen eingesetzt. Bestes Beispiel waren die Mauerschützen der DDR: Auch sie waren (nach Auffassung des Bundesgerichtshofs) Werkzeuge des Machtapparats, sie wurden vom Regime beschützt, aber auch gleichzeitig gefangen gehalten.
Abschließende Bewertung: 8 / 10






