„Devdas“ ist weit mehr als ein opulentes Bollywood-Epos – es ist die zeitlose Geschichte einer Liebe, die an gesellschaftlichen Grenzen zerbricht. Mit prachtvollen Bildern, bewegender Musik und herausragenden Darstellern erzählt der Film von Sehnsucht, Verzicht und einer Liebe, die selbst den Tod überdauert. Sunanda Gupta hat ihn sich für uns angeschaut.

Nun es ist bereits 5 Monate her, seitdem ich die Kassette im Auto meiner Freundin entdeckte. Was hatte mich wohl gereizt die Musik zu hören? Die unglaublich schönen Kostüme die ich auf dem Cover sah, der Name Devdas und auch der Fakt, dass der Guru meiner Lehrerin ein komplettes Lied für diesen Film komponiert hatte? Mir war sofort klar, dass dieser Film etwas großartiges sein würde und auch klassisch angehaucht. Jedoch wusste ich noch nichts über den Inhalt der Geschichte. Erst mein Vater wies mich darauf hin, dass es eine bengalische Novelle sei, geschrieben 1913 von Sarat Chandra Chattopdhay. Die Zahl der Verfilmungen variiert nun zwischen 2- 4 Mal. Die erste Version nehme ich an war die alte Schwarz Weiß Version mit Pramatesh Barua als Devdas, dann 1976 mit Dilip Kumar und Vyjanthimala und nun also im Jahre 2002 als pompöser, extravaganter Film, dem vorausgesagt wurde er würde alle Rekorde brechen. Ein Film der die bisher teuerste Bollywood Produktion aus Händen des Regisseurs Sanjay Leela Bhansali sein sollte- Kostenpunkt: 11 Millionen Dollar. Top besetzt seitens der Schauspieler, teuer in seiner Ausstattung bezüglich der Plots und der Kostüme, hervorragend was seine Musik angeht und mit einem Rekord von 900 Vervielfältigungen wurde der Film am 12. Juli 2002 auf der ganzen Welt veröffentlicht.
Devdas- lässt der Name einen nicht darauf schliessen, dass es sich in irgendeiner Art und Weise, um die Prostitution eines Mannes handelt? Wenn doch Devdasi die weibliche Form ist dann würde doch Devdas die männliche sein. Worüber handelt dieser Film denn nun?
Es ist nichts anderes als ein Liebesdrama. Doch- Es ist mehr…ein aktuelles Thema, dass man durch die Zeit katapultieren könnte und es würde passen zu jedem Zeitpunkt der Geschichte der Menschheit. Liebe, die Barrieren der Zeit und des Raumes überwindet und dennoch unerfüllt bleibt.
Devdas Mukherjee (Shahrukh Khan), der Sohn eines Zamindars und Parvati (Aishwarya Rai), die Nachbarstochter, verbindet eine Freundschaft, die in Kindestagen begann. Beide verleben eine wunderbare Kindheit in Taj Sonapur. Er neckte sie, ärgerte sie, war überwältigt von ihr und sie pries und schützte ihn. Doch Devdas wird standesgemäß nach England geschickt, um dort seine Ausbildung zu erhalten. 10 Jahre bleibt er fort und Paro, für welche Devdas alles bedeutet, entzündet als Sinnbild seines Lebens eine Öllampe (Diya), um die sie bedacht ist, dass sie niemals erlischt. Nach Jahren der Trennung, welche für Paro von unerträglicher Stille waren kommt Devdas als stilvoller junger Mann zurück, gewappnet mit ausländischer Bildung. Auch Paro ist herangereift zu einer bildhübschen jungen Frau, doch die Unterschiede zwischen beiden- In Erscheinung und Status- lassen sich nicht verleumden. Dennoch kann Devdas dem Charme und den lotusgleiche Augen seiner Kindheitsfreundin nicht lange widerstehen und beide merken schon bald, dass sich das Band der Freundschaft in Liebe gewandelt hat.
Paros Mutter Sumitra (Khiron Kher), die die Liebe der beiden voll unterstützt, schlägt Devdas Mutter Kaushalya (Smita Jaykar) die Hochzeit der beiden Kinder vor. Doch wird Kaushalya von der eigenen Schwiegertochter (Ananya) gegen Paros Mutter angestachelt und auch ihr Mann, Zamindar Narayan Mukherjee, zeigt seinen Unwillen, da die Hochzeit unstandesgemäß wäre. Ein reicher Zamindarssohn mit der normalen Nachbarstochter, sei nicht im Sinne der Familienehre. Bei der Veranstaltung zur Bekanntgabe der Hochzeit wird Sumitra gedemütigt und bloßgestellt, worauf sie das Haus der Mukherjees verflucht und preisgibt, dass sie ihre Tochter innerhalb der nächsten sieben Tage mit einem noch wohlhabenderen Mann vermählen wird. Paro ist unglücklich über die gesamte Lage und geht in der Nacht zu Devdas hinüber um sich von ihm versichern zu lassen, dass auch er sie liebt. Er sieht wie sehr Paro leidet und dennoch will er von seinem Vater die Liebe zu ihr gebilligt wissen.
Ertappt von Devdas Vater in derselben Nacht und ermahnt auf die Ehre der Familie zu achten, verlässt Devdas das elterliche Haus ohne Paro mitzunehmen. Ein Brief ist alles was sie bekommt, in welchem Devdas klarstellt, dass es wirklich besser sei getrennte Wege zu gehen, als Freunde, da es erhebliche Standesunterschiede gäbe die nicht zu verleugnen seien und dass sie ihn vergessen solle. Paro tief getroffen wird, wie ihre Mutter es sagte, verheiratet. Am Tag der Hochzeit ist auch Devdas anwesend, doch es ist zu spät. Paro erwidert stolz, dass sie all das was er seit Geburt an hatte nun auch haben wird. Reichtum, Macht, Stolz und Schönheit. Doch was für ein Los sie zieht: Als zweite Ehefrau kommt sie in das Haus eines wesentlich älteren Witwers, Zamindar Bhuvan (Vijayendra Ghatge), und hat bereits zwei erwachsene Kinder. Sie findet sich mit ihrer Rolle als äusserst junge Thakurain ab und ist eine achtsame Ehefrau.
Devdas jedoch ist immer tief in ihrem Herzen und das Diya beschützt sie, als sei es ihr eigenes Leben. Jeden Tag gibt sie neues Öl, damit es ja nicht erlösche. Devdas erträgt den Gedanken nicht, dass er Paro nie an seiner Seite haben wird und alles nur, weil er zu töricht war im richtigen Augenblick zu ihr zu halten. Um ihn abzulenken, führt sein Freund Chunni Babu ihn in die Welt des Alkohols und der Prostitution ein. Chunni Babu bringt ihn zu einer Devdasi…. Chandramukhi (Madhuri Dixit)…beim ersten Erblicken Devdas fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Er jedoch beginnt sein Leid in Alkohol zu ertränken und erklärt harsch, das kein Platz für eine andere Frau in seinem Herzen sei. Chandramukhi nimmt dies zur Kenntnis, jedoch bringt sie es nicht davon ab ihn hingebungslos zu lieben. Als das Leben Paro und Devdas eine erneute Chance zum Wiedersehen gibt ist die Leidenschaft der beiden füreinander immer noch auffällig, doch die Trennung, erschaffen durch die Regeln der Gesellschaft, existiert, unabdingbar.
Devdas sieht vom Leben zurückgewiesen, besiegt, und betrunken aus und Paro bitte ihn das Trinken aufzugeben. Doch wie soll er das vollbringen, wenn es das einzige ist was ihn seinen Schmerz vergessen lässt? Er verspricht ihr aber sie aufzusuchen bevor er stirbt, um sie ein letztes Mal sehen zu können. Als es ihm zusehends schlechter geht erinnert er sich an das Versprechen und nimmt die, für ihn beschwerliche, Reise auf sich, das Anwesen von Paro mitten in der Nacht erreichend. Er besitzt keine Kraft mehr und liegt vor dem offenen Tor, bis morgens Leute sich um ihn scharen. Noch lebt er, doch jeder weiss, dass er sterben wird und so beginnt man das letzte Ritual für ihn. Der Tumult vor ihren Toren lässt Paro neugierig werden und sie fragt, wer denn vor den Toren liege. Als sie erfährt das es ihre einzige Liebe ist rennt sie los, um vor seinem letzten Atemzug bei ihm sein zu können. Sie läuft durch das riesige Haus, ihre Familie versucht sie aufzuhalten, sie reisst sich los und rennt in Windeseile die Treppe hinunter. Sie stösst eine Frau mit Sindurfarbe um, welches sich auf den Boden ergibt. Hineintretend hinterlässt sie rote Fußspuren auf dem langen marmorsteinernen Weg zum Tor, während ihr Mann den Befehl gibt die Tore zu schliessen. Sie rennt gegen die Zeit, ihren Arm nach Devdas ausstreckend. Einmal noch ihn zu halten bevor er geht, vor Verzweiflung weinend. Näher und näher kommt sie und mehr und mehr schliessen sich die Tore bis ihr der Weg zu Devdas für immer verschlossen bleibt. Am Tor hinuntergleitend bleibt sie voller Schmerz sitzen und Devdas haucht ihren Namen zum letzten Mal. Es scheint, als ob dieser Hauch das Sinnbild seines Lebens- Das Zeichen des Widerkommens- das kleine Öllämpchen, erlöschen lässt.
Eine Liebe, die Grenzen überschreitet und einen an die Geschichte von Krishna, Radha und Meera, die sich in Devdas, Paro und Chandramukhi widerspiegeln, erinnert. Eine Liebe, die bedeutete, ohne Erwartung zu geben.






